Park an der Ilm. Ausschnitt aus dem »Grundriß von der Großherzogl.- Sächs. Residenzstadt Weimar, aufgenommen, berechnet und gezeichnet von J. V. Blaufuß«, 1818/22 © Klassik Stiftung Weimar

Religion und Imperium im 20. Jahrhundert – Letzte Weimarer Vorlesung von Hans Joas findet am Donnerstag statt

Di, 10. Juli 2018

Am Donnerstag, 12. Juli, um 18 Uhr hält der Sozialphilosoph Hans Joas, Humboldt-Universität zu Berlin, seine vierte und letzte Vorlesung zum Thema »Religion und Imperium« im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Die Vorträge finden im Rahmen des Distinguished Fellowship 2018 statt, zu dem Professor Hans Joas vom Kolleg Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar eingeladen wurde. Der Eintritt ist frei.

Hans Joas forscht zu der Frage, wie universalistische Moral entsteht und wirksam wird. Diese Frage hatte schon Friedrich Nietzsche beschäftigt, der religionskritisch behauptete, dass das christliche Liebesgebot ein – leider – erfolgreicher Versuch der Schwachen sei, die Starken an der Entfaltung ihres Lebens zu hindern. Joas folgt dieser Lehre Nietzsches nicht, gibt diesem aber recht, wenn er behauptet, dass es einen Zusammenhang zwischen Religion und der Ausbildung von Werten gibt, die universale Geltung für sich beanspruchen. Solche Werte können eine maßgebliche Rolle bei der Austragung politischer Konflikte entfalten. Dies zeigte Hans Joas in den vorangegangenen Vorlesungen bereits an zwei Beispielen: der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und Martin Luther King sowie dem indischen Kampf um die Unabhängigkeit und Mahatma Gandhi. Seine abschließende Vorlesung widmet Joas der chinesischen Kulturrevolution, die von der Vorstellung Mao Tse-tungs geprägt war, erst nach der Vernichtung aller Religion könne ein rein säkularer politischer Universalismus möglich werden.

Hans Joas, geboren 1948 in München, ist seit 2014 Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor für Religionssoziologie an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit dem Jahr 2000 arbeitet er zudem als Professor für Soziologie an der University of Chicago, deren Committee on Social Thought er angehört. Von den Universitäten Tübingen und Uppsala erhielt er Ehrendoktorate. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Bielefelder Wissenschaftspreis (Luhmann-Preis) 2010, der Hans-Kilian-Preis 2013, der Max-Planck-Forschungspreis 2015 und der Prix Paul Ricoeur 2017. Zuletzt veröffentlichte er die Bücher »Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte von der Entzauberung« (Berlin: Suhrkamp 2017) und »Beten bei Nebel. Hat der Glaube eine Zukunft?« (Streitgespräch mit Robert Spaemann, Freiburg: Herder 2018).

Veranstaltungsdaten
»Religion und Imperium. Zur Geschichte ihrer Verschränkung im 20. Jahrhundert«
Vorlesung von Prof. Dr. Hans Joas, Humboldt-Universität zu Berlin, im Rahmen seines Distinguished Fellowship am Kolleg Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar
Donnerstag, 12. Juli 2018 | 18 Uhr
Herzogin Anna Amalia Bibliothek | Studienzentrum (Bücherkubus)
Platz der Demokratie 4 | 99423 Weimar
Der Eintritt ist frei.

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