Aufstieg und Fall der Moderne

Weimar – ein deutsches Beispiel

Direktion/ReferatMuseen
ProjektverantwortungProf. Rolf Bothe, Dr. Thomas Föhl
Laufzeitvon 1996 bis 1999

Anlässlich des Kulturstadtjahres 1999 wurde im Rahmen eines in eine gleichnamige Ausstellung mündenden Projektes untersucht, wie die Moderne mit Enthusiasmus und unter Berufung auf die berühmte geistesgeschichtliche Tradition in Weimar mehrfach einzog und von konservativen Kräften immer wieder vertrieben wurde. Erstmals konnte in diesem Zusammenhang detailliert dargestellt werden, wie sich die Weimarer Künstler mit dem französischen Impressionismus auseinandersetzten. Bereits 1890 waren spektakuläre Werke von Monet, Pissarro oder Sisley in Weimar öffentlich ausgestellt worden. Rekonstruiert wurden weiterhin die Aufsehen erregenden Ausstellungen von Harry Graf Kessler zu Künstlern der Moderne sowie seine hochkarätige Privatsammlung. Wie Künstler, Intellektuelle und lokale Größen sich um 1903 zu der Bewegung ‚Neues Weimar‘ zusammenschlossen, war ebenfalls Gegenstand der Untersuchungen. Treibende Kraft bei dem Versuch, die Goethestadt zu einem Begegnungsort der europäischen Avantgarde zu machen, war der belgische Maler, Architekt und Designer Henry van de Velde, der mit der Neukonzeption der Kunstgewerbeschule im Jahre 1907 den ideellen Grundstein für das von seinem Nachfolger Walter Gropius 1919 in Weimar gegründete Bauhaus legte.

Bei den Provenienzforschungen zum eigenen Sammlungsbestand wurde deutlich, wie die Nationalsozialisten diesen fortschrittlichen Entwicklungen in Museumspolitik und Kunst ein jähes Ende bereiteten, als ab 1930 mit dem Erlass des Thüringer Innen- und Volksbildungsministeriums „Wider die Negerkultur für deutsches Volkstum“ offensive Maßnahmen gegen die Avantgarde begannen. In der Nachkriegszeit waren die ‚nicht offiziellen‘ Positionen innerhalb der DDR-Kunst stets dem ‚populären‘ Sozialistischen Realismus untergeordnet, so dass sich Weimar erneut der Moderne entfremdete.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde das Spannungsverhältnis zwischen Avantgarde und konservativen Strömungen über einhundert Jahre beleuchtet und somit ein Streifzug durch das 20. Jahrhundert unternommen, der mit lokalgeschichtlichem Fokus die Situation der Moderne in ganz Deutschland spiegelt.

Zugehörige Publikationen

Rolf Bothe, Thomas Föhl (Hrsg.): Aufstieg und Fall der Moderne. Weimar – ein deutsches Beispiel 1890-1990. Ausstellungskatalog der Kunstsammlungen zu Weimar. Ostfildern 1999.
Die Sammlung Harry Graf Kessler in Weimar und Berlin. In: Andrea Pophanken, Felix Billeter (Hrsg.): Die Moderne und ihre Sammler. Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Berlin 2001, S. 67-93.
Maillol – eine deutsche Entdeckung? Bemerkungen zur Maillol-Rezeption in Deutschland nach 1900. In: Michael Bollé, Thomas Föhl (Hrsg.): Von Berlin nach Weimar. Kunstgeschichte und Museum. Beiträge zu Ehren von Rolf Bothe. München und Berlin 2003.

Kontakt

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Internetauftritt der Klassik Stiftung Weimar verwendet Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden. Zur Datenschutzerklärung

Verstanden