Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Vortrag geht einleitend auf grundsätzliche sprachliche, bildungsgeschichtliche und mediale Besonderheiten des literarischen Lebens im Mittelalter mit dem Schwerpunkt Thüringen ein. Dabei wird etwa das Verhältnis von Dichtung und Literatur thematisiert, die Anonymität zahlreicher Werke, die allmähliche Emanzipation der Volkssprache vom Latein, die grundsätzliche Offenheit der Texte für Veränderungen in späterer Zeit sowie die mündliche Vermittlung von Dichtung in einer semi-oralen Kultur, in der die Lese- und Schreibfähigkeit erst in einem langen Prozess eine breitere Basis fand. Im Mittelpunkt des Vortrags steht sodann ein handschriftlich überlieferter Bericht über eine Pilgerfahrt nach Jerusalem im Jahr 1461, deren Ausgangs- und Endpunkt in Weimar lag.
Prof. Dr. Reinhard Hahn lehrte von 1992 bis 2017 als Professor für deutsche Literatur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er hat vielfach in Aufsatz- und Buchform zum Vortragsthema publiziert, zuletzt erschien Die mittelalterliche Literatur Thüringens. Ein Lexikon (Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2018).