Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Die Klassik Stiftung Weimar feiert den 300. Geburtstag Immanuel Kants mit einer Vortragsreihe. Dr. Wiesław Małecki ist Nietzsche-Fellow der Klassik Stiftung Weimar und präsentiert zum Abschluss der Reihe seine Forschungen zu Kants Anthropologie.
Warum und in welchem spezifisch positiven Sinne kann Kants „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ die zeitgenössische Kulturanthropologie herausfordern? Um diese Frage zu beantworten, ist es notwendig, zwei Narrative zu beleuchten, die diese Absicht stark einschränken. Der erste dieser kulturellen Mythen reicht tief in die Ursprünge der europäischen Kultur zurück, da er das Verständnis dessen betrifft, was Philosophie ist und mehr noch, was ein Philosoph ist und sein sollte. In diesem Mythos wird die Philosophie als die Kunst des Sterbens dargestellt und der Philosoph als ihr Adept, der durch seinen eigenen Tod lebt. Im Gegensatz dazu bezieht sich ein zweiter Mythos auf die Rezeption dieses Werkes. An dieser Stelle ist es wichtig, sich den historischen Kontext zu vergegenwärtigen, der zeigt, dass die „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ von Anfang an, d.h. seit ihrem Erscheinen im Jahre 1798, an einer interessanten Ohnmacht gelitten hat. Trotz einer Auflage von zweitausend Exemplaren - eine Auflage, die kein anderes Werk Kants bei Erscheinen erreicht hatte - war sie nie Gegenstand ernsthafter Kontroversen oder Debatten. Im Gegenteil, sie wurde häufig zum Gegenstand von Spott und Witzen.