Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Vortrag von Dr. Paul Kahl im Rahmen der Vortragsreihe der Goethe-Gesellschaft
Die Vorgängereinrichtung der heutigen Klassik Stiftung Weimar – die Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar (NFG) – hat in den Jahren der DDR umfangreiche kulturelle Auslandskontakte entfaltet. Der wichtigste westliche Staat war dabei Italien, wo die NFG mehrere Sonderausstellungen durchgeführt haben, zuletzt im Herbst 1989 in Trient.
Diese Auslandskontakte waren nicht nur der Bewahrung und Vermittlung des klassischen Weimarer Kulturerbes im Zeichen Goethes gewidmet, dessen italienische Reise von 1786/88 geografischer und intellektueller Bezugsrahmen bleibt: Sie folgten zugleich Strategien der Legitimierung der DDR als dem (vermeintlich) ‚besseren Deutschland‘ gegenüber der Bundesrepublik und sollten der DDR durch kulturelle Anerkennung ’symbolisches Kapital‘ verschaffen; insofern waren sie Ausdruck ‚fundierender Erinnerung‘. Die italienischen Kooperationspartner wie die italienische Öffentlichkeit maßen den Goethe-Ausstellungen zwar einen hohen Stellenwert bei, gingen jedoch so gut wie ausschließlich auf Goethe selbst ein, nicht auf das hinter ihm stehende politische Anliegen.
Dr. Paul Kahl, Literatur- und Kulturhistoriker, hat mehrere Studien über die Geschichte Weimars verfasst, so „Die Erfindung des Dichterhauses“ (Wallstein-Verlag Göttingen 2015) und „Die Weimarer Museen. Ein erinnerungskulturelles Handbuch“ (Sandsteinverlag Dresden 2022). Er ist Lehrer und außerdem als Lehrbeauftragter und freier Bildungsreferent u. a. für die Universität Göttingen und die Klassik Stiftung Weimar tätig.