Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Ein Vortrag von Dr. Christoph Schmälzle über die Geschichte der Weimarer Nietzsche-Memoria von der Gründung des Nietzsche-Archivs bis heute.
Mit der Gründung des Nietzsche-Archivs gab Elisabeth Förster-Nietzsche dem Nietzsche-Kult ein singuläres Zentrum. Hier pflegte sie ihren kranken Bruder, hier betrieb sie ihre rigide Werk- und Bildpolitik, um den Nachruhm des Philosophen in ihrem Sinn zu gestalten. Den sakralen Kern des Ensembles bildete Nietzsches Sterbezimmer, das nach dem Vorbild der Dichterhäuser zur postumen Weihestätte wurde. Nach 1945 kam es zu einem radikalen Kurswechsel. Nietzsche galt in der DDR als Wegbereiter des Faschismus, eine Beschäftigung mit ihm war nicht erwünscht. Entsprechend wurde die private Stiftung Nietzsche-Archiv aufgelöst, das Gebäude umgenutzt und der Nachlass den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten einverleibt. Selbst der Schriftzug an der Fassade fiel der damnatio memoriae zum Opfer. Seit der Wiedervereinigung beherbergt das Nietzsche-Archiv ein Museum – und blieb zugleich Gästehaus in der Tradition der DDR. Vorbehalte gegenüber der Überlieferung zur Wohnkultur der Geschwister Nietzsche hielten sich bis in die jüngste Vergangenheit. Doch welchen Zeugniswert hat Friedrich Nietzsches letzte Wohnung überhaupt?