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Der Friedrich-Schiller-Code

Die Vorgeschichte…

… beginnt 21 Jahre nach Schillers Tod. Am 13. März 1826 steigen Weimars Bürgermeister Carl Leberecht Schwabe, Oberbaudirektor Coudray sowie der Hofrat und Leibmedicus Dr. Schwabe in das „ Landschafts-Cassen Leichengewölbe“ auf dem Jacobs-Friedhof. Sie suchen nach dem Sarg mit Schillers Gebeinen. Da sie scheitern, bergen sie nach mehreren Grabungen bis zum 20. März  23 Schädel. Bürgermeister Schwabe erkennt in dem größten Schädel den Friedrich Schillers. Der Schädel wird schließlich in der Großherzoglichen Bibliothek aufbewahrt, in einem dafür angefertigten, verschließbaren Behälter.

Zwischen dem 23. und 27. September 1826 wird ein mutmaßlich zum Schädel gehörendes Körperskelett geborgen, geordnet und ebenfalls in die Großherzogliche Bibliothek überführt, in einem mit blauem Merino ausgeschlagenen Kasten. Goethe lässt den Schädel derweil in sein Haus bringen. Er schreibt die Terzinen, sein großes naturphilosophisches Altersgedicht, das nach seinem Tod den Titel „Bei der Betrachtung von Schillers Schädel“ erhält.

1827 werden die Schiller zugeschriebenen Überreste in die neuerbaute Fürstengruft auf dem neuen Weimarer Friedhof überführt. Der Goethesarg folgt 1832. Die beiden Särge werden bis heute als letzte Ruhestätten der Dichterfürsten verehrt.

Einige Jahre später entwickelt sich ein Gelehrtenstreit um Schillers Schädel. Von 1863 an beschäftigt sich der Hallenser Anatom Hermann Welcker mit dem Schädel. 1883 erklärt er ihn für unecht, weil er angeblich nicht zu Schillers Totenmaske passt. Es meldet sich der Bonner Anthropologe Hermann Schaafhausen zu Wort und bestreitet Welckers Ergebnisse. Mit dem Tod der Kontrahenten kommt der Streit um die Echtheit des Schillerschädels um 1890 vorerst zur Ruhe.

Nach längeren Vorbereitungen nimmt der Tübinger Anatom August von Froriep vom 28. August bis 1. September 1911 erneut Ausgrabungen im Kassengewölbe vor. Von den 63 geborgenen Schädeln wird einer für echt erklärt und in der Fürstengruft beigesetzt, in einem unscheinbaren Sarkophag, ebenso die entsprechenden Skelettteile. Die Auseinandersetzungen flammen wieder auf, wie die Publikationen von zahlreichen Literaturwissenschaftlern, Kunsthistorikern, Medizinern und Anthropologen bis 1937  zeigen.

1959 nimmt der Berliner Anthropologe Herbert Ullrich eingehende Untersuchungen beider Schädel und Gebeine vor. Zwei Jahre später erfolgen eine Gesichtsrekonstruktion und eine Ähnlichkeitsanalyse durch den Moskauer Anthropologen und Archäologen Gerassimov. Er erklärt den ursprünglichen Fürstengruft-Schädel für den echten, den sogenannten Froriep-Schädel für unecht.

Seither ist das Cranium nicht wieder untersucht worden. Und das Rätsel beschäftigt die Wissenschaftler weiter: Welcher der beiden Schillerschädel ist der echte? Gehört das Skelett zum Schädel? Und woran starb Schiller wirklich?

Das Projekt…

… wird mit Hilfe der vergleichenden DNA-Analyse das Rätsel lösen. Sie stehen im Zentrum eines wissenschaftlich fundierten, interdisziplinären Projektes, mit dem das  MDR-Landesfunkhaus Thüringen in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar begonnen hat. Daraus entsteht eine  ausführliche Fernsehdokumentation auf der Basis gesicherter Erkenntnisse, für die der MDR eine erfahrene namhafte Autorin gewonnen hat. Der Film wird die Analysen und deren Ergebnisse ebenso zeigen wie die Krankheiten Schillers und seinen Tod; medizingeschichtliche Aspekte und die Wirkungsgeschichte damaliger wissenschaftlicher und philosophischer Anschauungen bis in unsere Gegenwart runden die Darstellung ab.   

Das Projekt entspringt dem Wunsch der Klassik Stiftung Weimar, die Authentizität der Relikte zweifelsfrei  zu klären. Die Klassik Stiftung Weimar stellt für das Projekt die in ihrem Besitz befindlichen sterblichen Überreste, die Friedrich Schillers zugeordnet werden, zur Verfügung. Zu diesen Relikten gehören der so genannte „Fürstengruft-Schädel“, der sogenannte „Froriep-Schädel“, mutmaßlich zu den beiden Schädeln gehörige Skelette und drei Haarlocken, die möglicherweise von Schiller stammen.

Über eine ausführliche Erarbeitung der Genealogie der Familie Friedrich Schillers werden die Verwandten festgestellt, die für DNA-Vergleiche in Frage kommen. Vorrangig geht es um weibliche Verwandte, da nur die mitochondriale DNA unverändert vererbt wird und in sterblichen Überresten lange Zeit stabil bleibt.


Erneut wird eine Gesichtsrekonstruktion versucht, diesmal mit Hilfe der Computertomographie und Personendatenbanken. Chemische Analysen sollen zeigen, ob in Knochen und Haaren Schwermetallbelastungen vorliegen. Toxikologische Untersuchungen dienen dem Nachweis von Opiaten. Auch Schillers Krankheiten und die umstrittene Todesursache lassen sich so vielleicht doch noch erhellen.

Alle DNA-Analysen werden doppelt ausgeführt. Mit der Untersuchung der Proben sind namhafte Institute und Wissenschaftler beauftragt worden. Zwischen ihnen und dem MDR ist bis zur Erstausstrahlung des Films Verschwiegenheit vereinbart worden. Danach haben die beteiligten Wissenschaftler Publikationsfreiheit. Die Klassik Stiftung Weimar erhält bei Ende des Projektes eine umfassende wissenschaftliche Dokumentation.

Wenn alle Untersuchungen abgeschlossen und die umstrittenen Relikte identifiziert sind, werden in der Weimarer Fürstengruft ein, unwahrscheinlicher-, aber möglicherweise kein, jedenfalls aber nicht länger zwei Schädel von Friedrich Schiller aufbewahrt werden.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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