Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Klassik Stiftung zeigt Schenkung von Werken der Wiener Bauhaus-Künstlerin
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Blogbeitrag zu Friedl Dicker auf blog.klassik-stiftung.de/friedl_dicker
In diesem Jahr hat die Klassik Stiftung Weimar eine Schenkung von graphischen Arbeiten der Bauhaus-Künstlerin Friedl Dicker erhalten. Vom 31. Juli bis 16. August 2020 sind 15 der Blätter aus dem Nachlass von Judith und Florian Adler-Moller im Rahmen der Präsentation „Friedl Dicker. Arbeiten auf Papier“ im Bauhaus-Museum Weimar zu sehen. Die Schau ist im Eintritt für das Museum inbegriffen.
Teil der Schenkung, die einen Querschnitt aller Schaffensphasen darstellt, sind zwei wertvolle Exemplare der Einladung zum ersten Bauhaus-Abend, einer Lesung von Else Lasker-Schüler am 14. April 1920. Das kalligraphisch gestaltete Blatt zeugt von Dickers ausgefallener künstlerischer Handschrift und erinnert als Zeitdokument an die äußerst kritische Wahrnehmung, der das frühe Bauhaus in Weimar ausgesetzt war. Aus dieser Werkphase stammen auch die Arbeit „Cluny und den Kirchenportalen gewidmet“ und ein Landschaftsaquarell. Aus späteren Schaffensphasen ist unter anderem die seltene Zeichnung einer Figurine für eine Aufführung von Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ zu sehen.
Friedl Dicker wurde 1898 in Wien geboren, absolvierte eine Lehre als Fotografin und studierte in der Textilklasse der Wiener Kunstgewerbeschule. 1919 folgte sie Johannes Itten mit weiteren Schülerinnen und Schülern seiner privaten Kunstschule an das Staatliche Bauhaus in Weimar. Zu dieser Gruppe gehörten auch Margit Téry-Adler, Bruno Adler, Anny Wottitz-Moller und Dickers langjähriger Freund Franz Singer. 1923 verließ Friedl Dicker das Bauhaus und eröffnete gemeinsam mit Franz Singer in Berlin die „Werkstätten Bildender Kunst“ und anschließend in Wien das „Atelier Singer-Dicker“. 1931 trat sie der kommunistischen Partei bei und gestaltete antifaschistische Plakate, wofür sie 1934 verhaftet wurde. Zeichnungen liegender Menschen aus den frühen dreißiger Jahren sind wahrscheinlich Zeugnisse traumatischer Hafterfahrungen. Nachdem sie mit ihrem Mann Pavel Brandeis nach Prag übersiedelt war, wurden beide 1942 wegen ihrer jüdischen Herkunft ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort erteilte die Bauhäuslerin den Kindern des Lagers Kunstunterricht und entwarf Bühnenbilder und Kostüme für das Kindertheater. Im Herbst 1944 wurde Friedl Dicker-Brandeis nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Es ist ein Zeichen höchster Wertschätzung und tiefer Freundschaft, dass sich die Arbeiten der Künstlerin trotz Flucht und Emigration so zahlreich im Nachlass ihrer Freunde erhalten haben.
Ausstellungsdaten
Friedl Dicker. Arbeiten auf Papier
31. Juli bis 16. August 2020
Mo–So 9.30–18 Uhr
Bauhaus-Museum Weimar | Sonderausstellungsfläche (3. OG)
Stéphane-Hessel-Platz 1 | 99423 Weimar
Präsentation im Eintritt für das Bauhaus-Museum inbegriffen