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Spiegel der Dichterfreundschaft

Einblicke in ein einzigartiges Zeugnis der Literaturgeschichte bietet eine Ausstellung zum Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, die vom 13. bis 21. Mai im Goethe- und Schiller-Archiv zu sehen ist. Aus dem Fundus von rund 1000 überlieferten Briefen und Billets aus den Jahren 1794 bis 1805 bietet das Weimarer Archiv eine Auswahl von knapp 50 Autographen, die die Vielfalt des Austausches zwischen den beiden Dichtern vom literarischen Schaffen bis hin zum familiären Ereignis auf einmalige Weise dokumentiert. Aufschlußreich ist vor allem die gegenseitige Anteilnahme am Werk des anderen. Fragen des eigenen künstlerischen Schaffens wurden diskutiert, Manuskripte ausgetauscht und entstehende Dichtungen wie der »Wallenstein«, »Wilhelm Tell« und der »Faust« kritisch durchgesehen. Die originalen Briefe werden in der exklusiven Schau durch persönliche Dokumente, Werkhandschriften sowie historische Schreibzeuge, darunter Goethes Tintenfaß, sein Reiseschreibzeug, Brieföffner und Petschaft, ergänzt.
Als »Glückliches Ereignis« hat Goethe sein eher zufälliges Zusammentreffen mit Schiller am 20. Juli 1794 nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena beschrieben. Sieben Jahre nach Schillers Ankunft in Weimar, Jahre, in denen der Geheime Rat dem rebellischen Autor der »Räuber« schlicht aus dem Weg gegangen war, begann an diesem Tag eine intensive Freundschaft, die bis zu Schillers Tod am 9. Mai 1805 reichte. Unter dem Titel »Glückliches Ereignis« zeigt das Goethe und Schiller-Archiv jetzt jene Autographen, in denen sich die Dichterfreundschaft besonders eindrucksvoll spiegelt, darunter den berühmten Geburtstagsbrief von Schiller an Goethe vom 23. August 1794. In diesem Brief zeichnete Schiller ein Porträts Goethes, indem er das Charakteristische von dessen Dichtung und Geistesart zu erfassen suchte und seiner eigenen Denkweise gegenüberstellte.
Neben dem Beginn des Briefwechsels widmet sich die Exposition unter jeweils thematischen Überschriften vor allem dem Dialog der beiden Dichter über eigene Werke und gemeinsame Projekte. Dazu gehören Goethes Wiederaufnahme der Arbeit am »Faust«, die nur dem mehrfachen Drängen Schillers zu verdanken ist; der Austausch über »Wilhelm Meisters Lehrjahre«, den »Wallenstein« und »Wilhelm Tell« sowie das Balladenjahr 1797, in dem u.a. Goethes »Zauberlehrling« und von Schiller »Der Handschuh« und »Die Kraniche des Ibykus« entstanden. Dem Gemeinschaftswerk der »Xenien«, einer satirischen Abrechnung mit der zeitgenössischen Literatur, bei der die Dichterfreunde in mehr als 900 Epigrammen gegen »Philister« und »Heuchler« zu Felde zogen, und den letzten Lebensjahren Schillers sind ebenfalls eigene Kapitel gewidmet.
In einem Gespräch mit Eckermann im Jahre 1825 nannte Goethe die Briefe Schillers »das schönste Andenken, das ich von ihm besitze«. 1828/29 veröffentlichte er seinen Briefwechsel mit dem Freund in sechs Bänden und machte ihn damit weithin bekannt. Von den insgesamt 1015 überlieferten Briefen befinden sich heute knapp 1000 im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. Eine Auswahl dieser äußerst fragilen Zeugnisse der Literaturgeschichte war zuletzt in einer Ausstellung des Archivs zum 150. Todestag Schillers 1955 zu sehen.

Bitte beachten: Die Ausstellung »Glückliches Ereignis« wird am 12. Mai,
16 Uhr, eröffnet. Ein Pressetermin findet am 11. Mai um 11 Uhr im Goethe- und Schiller-Archiv, Hans-Wahl-Straße 4, statt.
Öffnungszeiten: vom 13. bis 20. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr; zur Weimarer Museumsnacht am 21

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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