Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

im Stadtschloss Weimar
Einstufiger, nicht offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Interessenbekundungsverfahren.
Preisgerichtssitzung am 25. März 2025
Umsetzung der erstplatzierten Arbeit Dezember 2025 bis April 2026
Ort: Eingangshalle Erdgeschoss Ostflügel

Die für das Kunstwerk vorgesehene Wand wird mit einer 30mm starken, grau durchgefärbten Putzschicht bedeckt. Sie bildet den Träger des Kunstwerks und wird als eigenständiges Bauteil aufgefasst. Der Anstrich erfolgt mit einer rein weißen Farbe. Damit die Eingangshalle als ein im Ganzen gefasster Raum wirken kann, wurden alle Wandflächen mit der gleichen Farbe gestrichen
Nach dem Anstrich beginnt die bildhauerische Arbeit: Mithilfe von 1 zu 1 ausgedruckten Schablonen wird zunächst das Motiv auf der Wand skizziert und dann mit kleinen, spitz zulaufenden Hämmern eingeschlagen. Die Tiefe der Dellen und Furchen bewegt sich zwischen 1 und 15mm. In einem weiteren Schritt werden die nun offen liegenden Stellen mit Tiefgrund fixiert. Danach werden die „Funken“ plastisch geformt und mit Blattgold belegt.
Das Putzrelief reagiert mit dem vorhandenen Raumlicht, das Vertiefungen sachte verschaltet und auf den vergoldeten Flächen wechselnde Reflexionen erzeugt.
Die künstlerische Entwurfsidee geht in poetischer Weise von der Spezifik dieses zentralen Geschichtsorts im Kosmos Weimar aus und verflicht diesen Schauplatz unentwegter historischer Zerstörungen, Überschreibungen und Neuformungen überzeugend mit einem der wichtigsten geschichtsphilosophischen Texte des 20. Jahrhunderts, mit Walter Benjamins 9. These „Über die Geschichte“ sowie mit dem ihn inspirierenden Werk „Angelus Novus“ des Weimarer Bauhaus-Meisters Paul Klee. Damit erhält die abstrakte Arbeit einen explizit nicht illustrativen Ortsbezug, der die ganze Ambivalenz von Zerstörung und Neuschöpfung beinhaltet. Die intellektuelle Stringenz dieses Konzepts spiegelt die Konzeptualität der Weimarer Klassik und der Bauhaus-Moderne und damit die ganz eigene Qualität Weimars.
Die großformatige Arbeit, die die gesamte zur Verfügung stehende Wandfläche einbezieht und ausfüllt, entfaltet in dieser raumgreifenden Dimension eine fast überwältigende Ausstrahlung und immersive Wirkung auf die das Schloss betretenden Besucherinnen und Besucher. Sie verschränkt auf absolut überzeugende Weise alle Ebenen der Eingangshalle. Die Arbeit bezieht ihren ästhetischen Reichtum aus der subtilen Dialektik von einerseits skulpturaler Geste und intensiver Materialität sowie andererseits einer flächenhaft-impressiven Bewegtheit im Farbspektrum Weiß-Grau-Gold, die den Titel der Arbeit in eine fast körperhafte Erfahrung übersetzt. Der Sturm der Geschichte teilt sich damit intuitiv mit.
