Erwerbungen aus der Sammlung Nathansohn

durch Vorgängerinstitutionen der Klassik Stiftung Weimar

Direktion/ReferatMuseen
ProjektverantwortungDr. Bettina Werche
Laufzeit2009

Im Rahmen des von der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung in Berlin geförderten Projektes war nach einer Anfrage der Jewish Claims Conference zum einen zu klären, ob und in welchem Umfang heute unter dem Dach der Klassik Stiftung Weimar zusammengefasste Institutionen Objekte aus der 1933 versteigerten Goethe-Sammlung des Dresdner Rechtsanwalts und Notars Leon Nathansohn (1874–1944) erworben hatten beziehungsweise ob solche zu späteren Zeitpunkten (auch aus Zwischenbesitz) in ihre Bestände gelangt waren. Zum anderen gehörten Recherchen zur Biographie Nathansohns und zur Geschichte seiner Sammlung, die zur Klärung der Frage beitragen konnten, ob die eventuell erworbenen Objekte als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Vermögen einzustufen sind und daher ein Restitutions- beziehungsweise Wiedergutmachungsanspruch besteht, zu den Aufgaben des Projektes.

Zu diesen Zwecken wurde neben entsprechenden Archiv-Recherchen in Weimar und Dresden eine Auswertung der relevanten Primär- und Sekundärliteratur unternommen. Trotz der nur wenigen primär- und sekundärliterarischen Befunde sowie einer durch kriegsbedingte Verluste massiv beeinträchtigten Aktenüberlieferung in den relevanten Dresdner Archiven konnten wesentliche Informationen zur Beantwortung der forschungsleitenden Fragestellungen gewonnen werden.

Die Recherchen haben ergeben, dass die Verfolgungen durch das NS-Regime, denen Leon Nathansohn als jüdischer Deutscher bis zu seiner Auswanderung 1939 ausgesetzt war, ihn aufgrund seiner Profession bereits unmittelbar nach der Machtübernahme 1933 in besonderem Maße betrafen. Sie ergaben weiterhin, dass es Nathansohn vor 1933 gelungen war, die seinerzeit zweitgrößte private Goethe-Sammlung in Deutschland zusammenzustellen. Diese Sammlung umfasste ‚Goethe-Reliquien‘ (zum Beispiel Siegelringe, Visitenkarten), kunstgewerbliche Gegenstände, Büsten und Statuetten, Medaillen, Münzen und Plaketten, Autographen, Ölgemälde, Handzeichnungen (darunter auch Originalarbeiten Goethes), Graphiken, frühe Werkausgaben und anderes mehr, einiges davon von großer kunst- und literaturhistorischer Bedeutung. Im Rahmen der Recherchen konnte nachgewiesen werden, dass während der im Jahre 1933 in mehreren Schritten erfolgten Veräußerung sowie zu späteren Zeitpunkten aus Zwischenbesitz durch das Goethe-Nationalmuseum, die ehemaligen Staatlichen Kunstsammlungen Weimar sowie das Goethe- und Schiller-Archiv Objekte aus der Sammlung erworben wurden. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes wurden in einem detaillierten Bericht zusammengefasst und der Jewish Claims Conference zur Auswertung zur Verfügung gestellt.

Dieses Projekt wurde durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Kontakt

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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