Forschungssammlung NS-Raubgut

in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Direktion/ReferatHerzogin Anna Amalia Bibliothek
ProjektverantwortungDr. Jürgen Weber
Laufzeitvon 2005

Die digitale „Forschungssammlung NS-Raubgut in der HAAB Weimar“ ist seit 2008 im Aufbau und verzeichnet die Reste mehrerer Bibliotheken politischer, kultureller und religiöser Vereinigungen, öffentlicher Büchereien und privater jüdischer Sammler. Diese Bibliotheken sind teils im Gesamtbestand der beiden Vorgängereinrichtungen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aufgegangen und zerstreut worden, teils bilden sie Teilsammlungen, die durch Überklebungen oder mehrfache Umsignierungen der Exemplare maskiert oder ab 1935 direkt zensiert worden sind. Anhand der zugehörigen, ebenfalls digitalisierten Archivalien konnten diese Sammlungen identifiziert und dem NS-Kulturgutraub zugeordnet werden.

Eine der Vorgängereinrichtungen war die Thüringische Landesbibliothek Weimar, die am NS-Kulturgutraub aktiv beteiligt war und zwischen 1939 und 1945 sogar eine Vervierfachung der Bestandszuwächse gegenüber 1933 verzeichnete. Die zweite Vorgängereinrichtung war die Mitte der 1950er-Jahre gegründete Institutsbibliothek der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur, deren Gründungssammlungen teilweise auf NS-Raubgut beruhten, zum Beispiel auf der circa 2.000 Bände umfassenden Almanachsammlung Arthur Goldschmidts, die 1955 aus dem Goethe- und Schiller-Archiv in die Institutsbibliothek verlagert worden war.

Seit 2005 werden alle Erwerbungen der Jahre 1933 bis 1945 und darüber hinaus systematisch auf ihre Rechtmäßigkeit hin überprüft. Alle Verdachtsfälle werden im Online-Katalog nachgewiesen:

Online-Katalog NS-Raubgut

Einige der Verdachtsfälle sind zudem als Digitalisate abrufbar:

Digitale Sammlungen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Bei der Suche nach den Erben arbeitet die Bibliothek mit der Commission for Looted Art in Europe (London) zusammen.

Dieses Projekt wird gefördert durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Tagungen

Bereits im Vorfeld des Projektes veranstaltete die Bibliothek in Kooperation mit der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste und der Initiative Fortbildung für wissenschaftliche Spezialbibliotheken und verwandte Einrichtungen e.V. zwei Tagungen zur Provenienzforschung:

2003:

„Provenienzforschung für die Praxis. Recherche und Dokumentation von Provenienzen in Bibliotheken“

2004:

„Von der Provenienzforschung zur Restitution geraubten Kulturguts: politischer Wille und praktische Umsetzung“

Zugehörige Publikationen

Werner Schroeder: „Arbeiter, fördert und unterstützt weiter euere geistige Rüstkammer“. Aufbau, Bedeutung und Zerschlagung der Arbeiterbibliotheken in Thüringen. Bonn 2008 (Veröffentlichungen der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, 20).
Jürgen Weber: NS-Raubgut und „hidden collections“ – Herausforderungen für ein neues Sammlungsmanagement. In: Regine Dehnel (Hrsg.): NS-Raubgut in Bibliotheken: Suche, Ergebnisse, Perspektiven. Drittes Hannoversches Symposium. Frankfurt a.M. 2008, S. 175-184 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderband 94).

Andreas Lütjen: NS-Raubgutforschung und Provenienzerschließung. Eine Privatbibliothek aus dem Besitz einer Familie teilweise jüdischer Herkunft an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. In: Bibliotheksdienst 43 (2009), H. 11, S. 1138-1161.

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Jürgen Weber: Forschungssammlung NS-Raubgut ‹Weimar, Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek› – Sammlungsdatensätze im Bibliothekskatalog (Vortrag im Rahmen des Workshops „NS-Raubgut-Forschung in Bibliotheken und Archiven“, September 2010).

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Nadine Ratz: Recherche, Erschließung und Restitution von NS-Raubgut in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Ein Praxisbericht. Berlin 2011 (Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, 289).

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Kontakt

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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