Völkische und nationalsozialistische Instrumentalisierung der Klassik

Direktion/ReferatForschung und Bildung
ProjektverantwortungProf. Lothar Ehrlich
Laufzeitvon 1995 bis 1997

Im Januar 1930 übernahm der Nationalsozialist Wilhelm Frick das thüringische Innen- und Volksbildungsministerium. Thüringen und die Landeshauptstadt Weimar wurden so zur Probebühne legaler Machtergreifung und zum kulturpolitischen Experimentierfeld der Nationalsozialisten. Wenige Monate später signalisierten der Übergang zum Präsidialsystem und der spektakuläre Wahlerfolg der NSDAP bei der Reichstagswahl die Staatskrise der Weimarer Republik. Der schon vorher vielfältig instrumentalisierte ‚Geist von Weimar‘ geriet in den Jahren der NS-Diktatur in den Horizont einer rassistisch-biologistischen Klassik-Deutung und einer zutiefst inhumanen politischen Praxis, die im Gegensatz- und Bezugspaar Weimar-Buchenwald ihren realen Ausdruck fand.

Wie eine umgedeutete Klassik in den Jahren nach 1885 diesen Weg Weimars vom ‚genius loci‘ zum ‚Tatort‘ begleiten konnte, wurde von 1995 bis 1997 im Rahmen eines umfangreichen Forschungsprojektes untersucht. Analysiert wurden die national- und völkisch-kulturellen Entwürfe im späten Kaiserreich und Ersten Weltkrieg, die Radikalisierungsschübe von Krieg und Revolution, das Phänomen des kulturellen ‚Extremismus der Mitte‘ sowie der dramatische landespolitische Konstellationswechsel im Jahr 1930. In den soziokulturellen Strukturen wurde lokalisiert, wie sich regionale kulturelle Traditionen und Bildungsgüter zu völkischen beziehungsweise nationalsozialistischen Kulturkonzepten konstituierten. Inwieweit die Weimarer ‚Völkischen‘ dabei jeweils Vorläufer, Wegbereiter und -begleiter, aber auch zugleich Konkurrenten und teilweise spätere Opfer der nationalsozialistischen Bewegung und Staatspolitik waren, wurde differenziert untersucht.

Zugehörige Publikationen

Lothar Ehrlich, Jürgen John (Hrsg.): Weimar 1930. Politik und Kultur im Vorfeld der NS-Diktatur. Köln, Weimar, Wien 1998.
Lothar Ehrlich, Jürgen John, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Das Dritte Weimar. Klassik und Kultur im Nationalsozialismus. Köln, Weimar, Wien 1999.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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