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»Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa«: Thüringer Landesausstellung präsentiert die Herrscherfamilie zwischen Reich und Familie, Land und Glauben, Kunst und Wissenschaft

>> Die Landesausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Seiner Majestät dem König der Belgier und Bundespräsident Joachim Gauck.

Am Samstag, 23. April, eröffnen die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und die Klassik Stiftung Weimar unter dem Titel »Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa« die Landesausstellung 2016 des Freistaats Thüringen. Bis zum 28. August 2016 vergegenwärtigt die Schau mit multimedialen Vermittlungskonzepten, herausragenden Kunstwerken und einzigartigen Exponaten aus allen Bereichen des fürstlichen Lebens die Herrscherfamilie der Ernestiner an zwei Orten ihres Wirkens, Gotha und Weimar. Auf 4000 qm zeigt die Ausstellung ca. 600 Exponate. An vier authentischen Standorten der Ernestiner – dem Neuen Museum Weimar, dem Schlossmuseum Weimar, dem Herzoglichen Museum Gotha und dem Schloss Friedenstein –  entfalten die Veranstalter das Panorama einer bedeutenden europäischen Dynastie.
Benjamin-Immanuel Hoff, Chef der Thüringer Staatskanzlei und Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, betonte in der heutigen Pressekonferenz: »Die großen Leistungen, die in Kultur, Wissenschaft und Industrie von den Menschen in den ernestinischen Territorien und den Herzögen und Herzoginnen ausgegangen sind, zeigen die Bedeutung Thüringens für Deutschland und Europa. Ich freue mich, dass diese Aspekte Gegenstand der vielschichtigen Ausstellung geworden sind. Die Reformation, die Berufung Goethes und Schillers nach Weimar und Jena und die Einführung der ersten frühdemokratischen Verfassung in einem deutschen Territorium 1816 sind nicht nur untrennbar mit der ernestinischen Dynastie verbunden, sondern haben bis heute geschichtskulturelle und damit gesellschaftliche Bedeutung für die gesamte Bundesrepublik.« In Weimar ist die Landesausstellung am 23. April von 18 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet, in Gotha erwartet die Gäste ab 20 Uhr eine Kulturnacht mit Führungen, Konzerten und Schauspiel (Eintritt: 6 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre frei).

Förderer der Landesausstellung

Die Landesausstellung ist fulminanter Auftakt zum Reformationsjubiläum »Luther 2017«, in dessen Rahmen im kommenden Jahr die Nationale Sonderausstellung »Luther und die Deutschen« auf der Wartburg eröffnet. Das Gesamtvolumen der »Ernestiner«-Ausstellung beläuft sich auf 2,4 Millionen Euro. Davon trägt der Freistaat Thüringen mit 1.368.900 Euro einen maßgeblichen Anteil. Für das museumspädagogische Vermittlungsprogramm an beiden Ausstellungsorten stellt der Freistaat zusätzlich Mittel in Höhe von insgesamt 272T Euro zur Verfügung. Beide Stiftungen werden von der Kulturstiftung der Länder gefördert. Die Ernst von Siemens Kunststiftung unterstützt den Ausstellungskatalog, den die beiden Stiftungen gemeinsam herausgeben, mit 25.000 Euro. Er erscheint im Sandstein-Verlag, Dresden. Medienpartner der Landesausstellung ist der mdr. Die Landesausstellung findet in Kooperation mit der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten statt.

Eine Dynastie prägt Europa

Die Begriffe »Ernestiner« und »Albertiner« gehen auf die wettinischen Brüder Ernst und Albrecht von Sachsen zurück, die aufgrund von Erbstreitigkeiten ihre Besitzungen 1485 teilten. Dem ernestinischen als dem älteren Zweig des Fürstenhauses fielen die Gebiete um Gotha und Eisenach im Westen zu, im Süden die thüringisch-fränkischen Besitzungen um Coburg sowie im Osten die Regionen um Weimar, Jena, Saalfeld und Altenburg. Nordöstlich von Altenburg reichte das Gebiet der Ernestiner bis weit über die Residenzen Torgau und Wittenberg hinaus. Auch in der Reichshierarchie genossen sie Macht und Ansehen, stand doch der ernestinische Kurfürst von Sachsen als Erzmarschall und Generalstatthalter des Reiches auf Augenhöhe mit dem Habsburger Kaiserhaus.

Als jedoch 1547 der Schmalkaldische Bund unter ernestinischer Mitführung den kaiserlichen und albertinischen Truppen in der Schlacht von Mühlberg unterlag, bedeutete das für die Ernestiner den Verlust der Kurwürde und großer Teile ihres Territoriums. Erbteilungen zersplitterten das Herrschaftsgebiet im Laufe der Jahrhunderte weiter, doch die Ernestiner kompensierten die Einbuße an politischer Bedeutung, indem sie ihren Einfluss auf anderen Gebieten ausbauten. Seit der Protektion Martin Luthers durch Friedrich den Weisen bis in das 19. Jahrhundert hinein haben sich die Ernestiner der lutherischen Lehre verschrieben gesehen. Ohne die Ernestiner als Schutzherren wäre die Reformation so nicht denkbar gewesen. Gleichzeitig war der Schutz des Luthertums stets ein zentraler Aspekt zur Demonstration dynastischer Legitimität. Auch Kunst, Wissenschaft und Bildung förderten sie nachhaltig und schufen damit im späteren Thüringen eine Kulturlandschaft, die in ihrer überwältigenden Vielfalt einzigartig ist.

Konzeption der Landesausstellung

Die Facetten ernestinischen Wirkens zeigt die Landesausstellung in sechs Themenbereichen: »Land«, »Familie«, und »Künste« werden in Gotha, »Reich«, »Glaube« und »Wissenschaft« in Weimar präsentiert:

»Die Ernestiner und das Land« beschreibt die Entwicklung der Dynastie zwischen territorialer Zersplitterung und nationaler Einheit.

»Die Ernestiner und die Familie« legt einen Schwerpunkt auf die ausgeklügelte Heiratspolitik des Adelsgeschlechts, das im 19. Jahrhundert Verbindungen zu Fürstenhäusern in ganz Europa knüpfte.

Der Ausstellungsbereich »Die Ernestiner und die Künste« rückt die kulturelle Entwicklung, wie die reiche Theaterkultur und die Begründung bedeutender musealer Sammlungen unter dem Einfluss der Dynastie in den Fokus.

»Reich«, »Glaube« und »Wissenschaft« sind die inhaltlichen Stränge, an denen das Handeln und Wirken der Ernestiner im Weimarer Ausstellungsteil als facettenreiche Erzählung lebendig wird.

»Die Ernestiner und das Reich« thematisieren die politischen Beziehungen der Ernestiner über ihre Lande hinaus.

Von zentraler Bedeutung für das Schicksal und das Selbstverständnis der Dynastie sind die Reformation und ihre Folgen, die im Zentrum mehrerer Geschichten zum Thema »Die Ernestiner und der Glaube« stehen.

»Die Ernestiner und die Wissenschaft« zeigt am Beispiel der Universitätsgründung in Jena, dass die Förderung der Wissenschaft seit dem 16. Jahrhundert ein zentrales Anliegen der ernestinischen Politik gewesen ist.

Unterschiedliche Ausstellungsorte verlangen nach individuellen Lösungen: In Weimar gestaltete whitebox GbR aus Dresden die Ausstellungs-Architektur, in Gotha KOCMOC Leipzig.

Bildungs- und Vermittlungsprogramm

Zur Landesausstellung bieten die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und die Klassik Stiftung Weimar ein außergewöhnlich umfangreiches Bildungs- und Vermittlungsprogramm an. Durch unterschiedliche Formate der medialen und personalen Vermittlung werden erwachsene Einzelbesucher genauso angesprochen wie Familien mit Kindern, Schülerinnen und Schüler und Reisegruppen. Das Programm richtet sich zudem sowohl an ein regionales Publikum und an Gäste aus anderen Bundesländern oder Staaten als auch an Menschen, die erst seit kurzem in Thüringen leben wie beispielsweise Geflüchtete. Ein Großteil der Projekte wird durch die Thüringer Staatskanzlei finanziert zur Förderung von Jugend- und Breitenkultur.

>> Bitte beachten Sie das gesonderte Informationsblatt zum Vermittlungsprogramm.

Marketingkooperation mit der Thüringer Tourismus GmbH

Die Thüringer Tourismus GmbH koordinierte in Absprache mit den Veranstaltern die nationale Werbekampagne. Sie basiert auf der Visualisierung von vier zentralen Protagonisten der Ernestiner, mit denen vier Themenbereiche der Ausstellung korrespondieren, die wiederum in je einem Slogan zusammengefasst wurden:

Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen, genannt »der Großmütige« (1503-1554) – Reformiert Euch!
Der Kurfürst war treuer Anhänger des Luthertums und Förderer der Reformation. Im Schmalkaldischen Krieg verlor er die Kurwürde. Im Jahr 1548 gründete er eine neue Hohe Schule, um die lutherische Lehre zu bewahren – die spätere Universität Jena.

Ernst der Fromme, Herzog von Sachsen-Gotha (1601-1675) –
Bildung für alle!
Im Jahr 1640 erhielt Ernst der Fromme das Herzogtum Sachsen-Gotha und entwickelte es zu einem protestantischen Musterstaat. Unter anderem führte er die Schulpflicht für Kinder ein und gründete das Gothaer Gymnasium.

Großherzogin Maria Pawlowna von Sachsen-Weimar-Eisenach (1786-1859) – Fördert Talente!
Die Zarentochter Maria Pawlowna heiratete mit 18 Jahren den Erbprinzen Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach. Als weltläufige und gebildete Fürstin förderte sie die Künste und schuf ein umfassendes System der Sozialfürsorge im Großherzogtum.

Königin Victoria von Großbritannien und Irland (1819-1901) –
Go for Europe!
Als 18-jährige bestieg Victoria 1837 den englischen Thron, drei Jahre später heiratete sie Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Das Paar hatte neun Kinder und vierzig Enkel. Durch eine geschickte Heiratspolitik gewann ihre Familie Einfluss auf zahlreiche europäische Länder.

Öffnungszeiten der Ausstellungen

Di – So | 10 – 18 Uhr (alle Standorte)

Ausstellungsorte und Eintrittspreise

Stadtschloss Weimar
Eintritt: Erw. 7,50 € | erm. 6 € | Schüler (16-20 J.) 2,50 €

Neues Museum Weimar
Eintritt: Erw. 5,50 € | erm. 3,50 € | Schüler (16-20 J.) 1,50 €

Schloss Friedenstein Gotha
Eintritt: Erw. 10 € | erm. 4 €

Herzogliches Museum Gotha
Eintritt: Erw. 5 € | erm. 2,50 €

Kombiticket für alle Ausstellungsorte in Weimar und Gotha
Erw. 16 € | erm. 12 € | Schüler* (16-20 J.) 5 €
Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ist der Eintritt frei.
Die ThüringenCard besitzt für die Landesausstellung Gültigkeit.

Katalog zur Landesausstellung

Die Ernestiner.
Eine Dynastie prägt Europa
Herausgegeben von Friedegund Freitag und Karin Kolb

Sandstein Verlag Dresden
ca. 540 Seiten · ca. 350 farbige Abb.
28,5 × 23 cm · Festeinband
ISBN 978-3-95498-215-8

bis 24. April 2016: 34,90 € in den Museumsshops der Ausstellung
(ab 25. April 2016: 48 € im Buchhandel)

Rahmenprogramm

In Gotha und Weimar findet ein umfangreiches Rahmenprogramm statt. Einzelheiten finden Sie auf ernestiner2016.de.

Für Rückfragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Klassik Stiftung Weimar
Dr. Julia Glesner

Leiterin Kommunikation und Pressesprecherin
julia.glesner@klassik-stiftung.de

T: 03643 – 545 104
M: 0172 – 84 62 910

Klassik Stiftung Weimar
Franz Löbling

Pressereferent
franz.loebling@klassik-stiftung.de

T: 03643 – 545 113
M: 0172 – 79 999 59

Stiftung Schloss Friedenstein
Carola Schüren

Direktorin Kommunikation und Bildung
schueren@stiftung-friedenstein.de

T: 03621 – 8234 580
M: 0173 – 3007703

Stiftung Schloss Friedenstein
Marco Karthe

Referent Presse und Veranstaltungen
karthe@stiftung-friedenstein.de

T: 03621 – 8234 582
M: 0173 – 3015827

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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