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Die Klassik Stiftung Weimar feiert den 259. Goethe-Geburtstag mit neuen Gedichten von Hans Magnus Enzensberger und einem »faustischen« Familientag

Am Donnerstag, 28. August 2008, feiert die Klassik Stiftung Weimar den 259. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe. Rund um diesen besonderen Tag bietet die Klassik Stiftung ein vielseitiges Programm mit einer Lesung Hans Magnus Enzensbergers, einem bunten Familientag im Anwesen des Dichters, der Verleihung des Dr. Heinrich-Weber-Preises und einer Ausstellungseröffnung zum Thema  Liebe und Ehe in Goethes »Wahlverwandtschaften«.

Lesung in der Herderkirche
Der Goethe-Geburtstag beginnt traditionell bereits am Vorabend; am Mittwoch, 27. August 2008, 20 Uhr, wird Hans Magnus Enzensberger in der Herderkirche lesen. Auf dem Programm stehen seine neuen Gedichte, die unter dem Titel »Rebus« im Frühjahr 2009 erscheinen.

Meist ohne sich zu fragen, was sie tun, ohne zu stolpern oder auszurutschen, bewegen Menschen sich auf dem glatten Parkett der Grammatik. Drei Personen im Singular und im Plural stehen zur Verfügung. Aber wer sind "wir", wer seid "ihr", und wer sind "sie"? Zwischen diesen wechselnden Pronomen taumelt das "Ich" einher und versucht, sich zu orientieren. So versteht der Dichter seine Umgebung wie ein riesiges Rebus, das es zu entziffern gilt. "De rebus quae geruntur" sagten die alten Lateiner, auf gut Deutsch: "Es handelt von dem, was geschieht." Allerhand Freiheiten erlaubt sich Enzensberger in diesem Bilderbogen aus Worten und beendet ihn mit einem ebenso grimmigen wie gutgelaunten Gruß an die falschen Freunde und die richtigen Feinde.

Hans Magnus Enzensberger, geboren 1929, ist einer der bedeutendsten Lyriker, Essayisten und Prosaautoren der Gegenwart. Zuletzt erschienen seine gesammelten Interviews und Gespräche »Zu große Fragen«, die Essays »Schreckens Männer« und »Im Irrgarten der Intelligenz«, die Erzählung »Josefine und ich« und die große biographische Recherche »Hammerstein oder Der Eigensinn. Eine deutsche Geschichte«.

Faustische Geburtstagsfeier im Dichterhaus
Am Donnerstag, 28. August 2008, von 9-18 Uhr, heißt es im festlich geschmückten Goethe Wohnhaus »Hereinspaziert!«. Ganz im Sinne des gastfreundlichen und universellen Hausherrn wird das Heim des Dichters als offenes Haus präsentiert, das für die ganze Familie etwas zu bieten hat: Puppentheater für jedermann, Schminken für die Jüngeren, Malen zum Farbkreis, Filme, Szenen, Vorträge und vieles mehr lässt sich hier erleben oder selbst gestalten. »Faustisch« geht es zu, denn vor 200 Jahren wurde Goethes »Faust. Eine Tragödie« zum ersten Mal veröffentlicht.

Für den Vormittag haben sich bereits über 20 Schulklassen von Grundschülern bis zu Gymnasiasten angemeldet, die sich unter professioneller Anleitung in den verschiedenen Workshops von Rezitation über Gesang bis Scherenschnitt betätigen, die Dokumentation »Faust im Film« sehen oder den Vortrag »Goethe und die Naturwissenschaften« hören.

Der Besucher kann sich darauf gefasst machen, dass ihm als Reminiszenz an das Publikationsjubiläum am 28. August im Anwesen des Dichters die eine oder andere Figur aus dem »Faust« quicklebendig über den Weg läuft.

Ausstellungseröffnung
Ebenfalls am Goethe-Geburtstag eröffnet im Dienerhaus des Dichters die Ausstellung »Eine unbeschreibliche, fast magische Anziehungskraft«. Liebe und Ehe in Goethes »Wahlverwandtschaften«.

Die Ausstellung zeigt die Entstehung des Romans im Kontext der Zeitgeschichte und der Biographie des Dichters, beleuchtet unterschiedliche Ehen im Umfeld Goethes und geht punktuell auf die Rezeption des Werkes bis zur Gegenwart ein. Der Erzählkosmos des Romans wird symbolisch dargestellt. Eine ca. 40 minütige Videovorführung zeigt Ausschnitte aus Verfilmungen und aktuellen Theaterinszenierungen des Goetheschen Romans, dessen Aktualität ungebrochen ist.

Mit analytischer Genauigkeit schildert Goethe in den »Wahlverwandtschaften« die Regungen seiner Romanhelden, die Kräfte von Anziehung und Abstoßung, die zwischen ihnen herrschen. Liebe und Leidenschaft brechen wie ein Naturereignis in die mühsam errichtete Ordnung eines vermeintlich späten, zweiten Eheglücks ein. Die Spannung zwischen romantischer Liebe und Wahlverwandtschaft und den gelebten Eheformen könnte kaum größer sein. Im Quartett gefährlicher Neigungen löst sich eine Ehe auf, kommt es zur Grenzüberschreitung eines doppelten »geistigen Ehebruchs«. Der Schluss des Romans belässt das eine Liebespaar wie »Schatten in der Vorhölle« (W. Benjamin), während die beiden anderen erst im Liebes-Tod miteinander vereint scheinen.

Veranstaltungsdaten
Mittwoch, 27.08.2008 | 20 Uhr
»Rebus«
Lesung mit Hans Magnus Enzensberger
Vorabend von Goethes Geburtstag
Herderkirche
5,00 € / erm. 3,00 € / Schüler 3,00 € Kartenverkauf:
Besucherinformation der Klassik Stiftung Weimar
Tel: 0 36 43 | 545-401/-402
Fax: 0 36 43 | 41 98 16
E-Mail: info@klassik-stiftung.de

Donnerstag, 28. August 2008 | 9–18 Uhr
»Von Zeit zu Zeit seh’ ich den Alten gern.
Eine faustische Goethe-Geburtstagsfeier für jedermann«
letzter Einlass: 17.45 Uhr
Goethes Wohnhaus
Frauenplan 1 | 99423 Weimar
Eintrittspreis für Museumsbesuch und alle Veranstaltungen
Erw. 3 € / Schüler 1 €
Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt
Karten an der Museumskasse (kein Vorverkauf, keine Reservierungen!)

Donnerstag, 28. August 2008 | 10 Uhr
»Eine unbeschreibliche, fast magische Anziehungskraft«. Liebe und Ehe in Goethes »Wahlverwandtschaften«
Ausstellungseröffnung und Verleihung des Dr. Heinrich-Weber-Preises
Goethe-Nationalmuseum | Festsaal
Frauenplan 1 | 99423 Weimar
Eintritt frei
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Das ausführliche Programm zum Goethe-Geburtstag finden Sie unter www.goethe-geburtstag.de

 

 



Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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