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»Die Kleidung muss dem Interieur angepasst sein« – Klassik Stiftung präsentiert zweiten Band des Werkverzeichnisses zum kunstgewerblichen Œuvre von Henry van de Velde

Am Montag, 7. Juli, um 18 Uhr präsentieren Thomas Föhl und Antje Neumann, Klassik Stiftung Weimar, im Nietzsche-Archiv den kürzlich erschienenen zweiten Band des Werkverzeichnisses zum kunstgewerblichen Œuvre von Henry van de Velde (1863–1957). Das vielfältige Werk des belgischen Universalkünstlers ist bisher vor allem in den Bereichen Architektur, Buch- und Metallkunst umfangreicher aufgearbeitet. Die nun vorliegende zweite Ausgabe des auf sechs Bände angelegten Werkverzeichnisses widmet sich dem textilen Werk des Künstlers und umfasst die Bereiche Mode, Fächer, Wandbehänge, Dekorationsstoffe und Teppiche. Die Veranstaltung gibt Einblicke in die facettenreiche Textilkunst van de Veldes. Exemplarisch stellen die Referenten einige der eindrucksvollsten Arbeiten des Künstlers aus dem Bestand der Klassik Stiftung vor, darunter auch viele Neuerwerbungen.

Schon früh wandte sich der allumfassend kreative Künstler Henry van de Velde der Textilkunst zu. Er entwarf Kleider, Teppiche und erstaunlich viele Dekorationsstoffe. Erste textile Arbeiten van de Veldes stammen aus dem Jahr 1892. Aus dem Bedürfnis heraus, modern und schlicht leben zu wollen, entwarf er Kleider für seine Frau. Auch Elisabeth Förster-Nietzsche war von der Neuartigkeit der verwendeten Stoffe angetan und ließ sich ein Kleid aus sogenannter »Künstlerseide« nähen, das sie fortan gern zu öffentlichen Anlässen in Weimar trug. Der Stoff existierte in erstaunlich vielen Farben und wurde von der Krefelder Firma Deuss & Oetker ausgeführt. Neben selbst entworfenen Stoffen verwendete van de Velde auch Liberty-Stoffe oder javanische Batiken für die Kleider seiner Frau und seiner Kinder. Diese bunt gescheckten Stoffe erregten besonders in Weimar Aufsehen und stießen bei van de Veldes Kunden auf Begeisterung. Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts entwarf er verstärkt für Fabrikanten in Krefeld, Berlin und Chemnitz. In Weimar etablierte er noch vor Gründung der Kunstgewerbeschule ein Atelier für Teppichknüpferei. Hier entstanden farbenprächtige und zum Teil sehr großformatige Teppiche, von denen sich einige Originale erhalten haben. 1902 gewann van de Velde den ›Verein für weiblichen Hausfleiß‹ in Weimar zur Ausführung eigener Entwürfe.

Das an der Klassik Stiftung angesiedelte Forschungsprojekt zur Erarbeitung des Werkverzeichnisses der kunstgewerblichen und raumkünstlerischen Arbeiten Henry van de Veldes wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. 2009 wurde der erste Band des Werkverzeichnisses, der der Metallkunst gewidmet ist, veröffentlicht. Bis 2017 sollen außerdem »Band III Keramik«, »Band IV Möbel«, »Band V Möbel« und »Band VI Raumkunst« erscheinen.

Veranstaltungsdaten
»Die Kleidung muss dem Interieur angepasst sein«
Henry van de Velde und die Textilkunst
Buchpräsentation mit Dr. Thomas Föhl und Dr. Antje Neumann, Klassik Stiftung Weimar
Montag, 7. Juli 2014 | 18 Uhr
Nietzsche-Archiv
Humboldtstraße 36 | 99425 Weimar
Der Eintritt ist kostenfrei.

Bibliographische Angaben
Thomas Föhl, Antje Neumann
Henry van de Velde – Raumkunst und Kunsthandwerk | Interior Design and Decorative Arts
Ein Werkverzeichnis in sechs Bänden | A catalogue raisonné in six volumes
Band II: Textilien | Volume II: Textiles
Zweisprachige Ausgabe: Deutsch und Englisch
460 Seiten | 1126 Abbildungen | Leinen im Schuber
Einführungspreis (bis 30. September 2014) 128 Euro | Ab Oktober 2014 148 Euro
E.A. Seemann Verlag

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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