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Ein Bilderkosmos konkreter Kunst bereichert das Neue Museum Weimar – Jürgen Beyer überreicht Schenkung an die Klassik Stiftung

Der Bestand an konkreter Kunst, ein Sammlungsschwerpunkt des Neuen Museums, erhält mit der Schenkung von Jürgen Beyer ab dem 13. September 2011 einen beträchtlichen Zuwachs. Neben dem großformatigen, neunteiligen Bild »Mein Genter Altar« (2005/09) umfasst die Schenkung an die Klassik Stiftung Weimar sechs Arbeiten auf Papier, die alle der konkreten Farbfeldmalerei zugehörig sind. Die Schenkung wurde über den Freundeskreis der Bauhaus-Universität Weimar e.V. vermittelt, der Jürgen Beyer im Frühjahr 2011 anlässlich seines siebzigsten Geburtstages eine Personalausstellung im Haus am Horn widmete. Jürgen Beyer zählt zu den wichtigsten Vertretern einer an konstruktive Traditionen anschließenden Malerei in Thüringen.

Mit seiner Farbfeldmalerei knüpft Jürgen Beyer an sein Frühwerk an, das Mitte der 1960er Jahre in Weimar entstand. Von diesen frühen Arbeiten sind nur Fotografien erhalten. In Weimar konnte Jürgen Beyer sich auch mit unterschiedlichen Positionen zum Thema »Farbe und Architektur« vertraut machen, die seit den 1970er Jahren in den Kunstschulbauten Henry van de Veldes wiederentdeckt, rekonstruiert und kopiert wurden. Diese reichen von den Wandgemälden Herbert Bayers und Oskar Schlemmers bis hin zum Direktorenzimmer von Walter Gropius mit der Adaption niederländischer De Stijl-Ideen.

In Jürgen Beyers freiem künstlerischen Werk liegt der Fokus ausgehend von »klassischen« Positionen der konkreten Kunst auf strengen, geometrischen Formelementen und monochromen Farbflächen in subtilen Kombinationen. Dabei interessiert Jürgen Beyer vor allem die Farb-Form-Wirkung des Bildes auf den Betrachter und auf den umgebenden architektonischen Raum. Das Werk »Mein Genter Altar« etwa vereint neun Bildtafeln zu einer eindrucksvollen Komposition. Schmale Farbstreifen scheinen wie Lichtelemente auf grauen und grünen Gründen zu schweben und bilden einen imaginären Farbraum. Durch die unterschiedlichen Längen der farbigen Balken wird das Bild regelrecht in Schwingungen versetzt und beginnt zu pulsieren. Dagegen erzeugt die symmetrisch aufgebaute Gesamtkomposition eine meditative Ruhe. Aus der nahen Distanz kann man die »Altarwand« abschreiten und als sich wandelnden Bildraum erleben. Mit wenigen gestalterischen Mitteln, die sich immer auf das Wesentliche orientieren, erschafft Jürgen Beyer einen ganz eigenen Bilderkosmos voller Imagination und Konkretheit.

Jürgen Beyer, 1941 in Jena geboren und heute in Weimar lebend, studierte Architektur an der Hochschule für Architektur und Bauwesen, der heutigen Bauhaus-Universität Weimar. Fast vierzig Jahre lang wirkte Jürgen Beyer als Architekt und Denkmalpfleger an den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar sowie an deren Nachfolgeinstitution, der Klassik Stiftung Weimar. In dieser Zeit trug er entscheidend zur Wiederentdeckung und Restaurierung der historischen Farbfassungen in Goethes Wohnhaus und Goethes Gartenhaus bei – Belegstücke für Goethes Farbenlehre in sinnlich wahrnehmbaren Raumfolgen. Bereits neben dem Studium wandte Jürgen Beyer sich in Ateliergemeinschaft mit Karl-Heinz Bastian, Harald Giersch und Wolfgang Pfeiffer der Malerei zu. Nachdem in seiner Malerei über lange Zeit hinweg Landschaft und Figur dominierten, wobei er in der Figur die Abstraktion am weitesten vorantrieb, verzichtet Jürgen Beyer seit 1997 gänzlich auf den Gegenstand in der Malerei. Seither beschäftigt er sich mit der Farb-Flächen-Malerei.

Die Schenkung umfasst folgende Werke:

  1. »Mein Genter Altar« (9-teilig), 2005/2009, Acryl auf Leinwand, 160 x 285 cm
  2. »Ganz leise, in Grau-weiß«, 2009, Acryl auf Aquarellkarton, 360 x 480 mm
  3. »Quadrate schwebend«, 2009, Acryl auf Aquarellkarton, 360 x 480 mm
  4. »Dunkler Raum I«, 2002, Acryl auf Aquarellkarton, 360 x 480 mm
  5. »Dunkler Raum II«, 2002, Acryl auf Aquarellkarton, 360 x 480 mm
  6. »Augentäuschung«, 2009, Acryl auf Aquarellkarton, 360 x 480 mm
  7. »Indianische Tür«, 2001, Acryl auf Aquarellkarton, 360 x 480 mm

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Dr. Julia Glesner | Pressesprecherin
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Timm Schulze | Pressereferent
03643 | 545-113
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Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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