Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Goethe- und Schiller-Archiv erwirbt wertvolle Autographen
Das Goethe- und Schiller-Archiv der Klassik Stiftung Weimar hat bei der Auktion des Hauses Ketterer Kunst am 24. November 2025 in Hamburg bedeutende Handschriften der Weimarer Klassik erwerben können. Versteigert wurde eine herausragende Privatsammlung mit über 50 Goethe-Autographen aus nahezu allen Schaffensperioden sowie rund 60 weiteren Briefen und Schriftstücken aus dem engsten Umfeld des Dichters – darunter von Charlotte von Stein, Kanzler Friedrich von Müller und Friedrich Wilhelm Riemer.
Die Sammlung geht auf den fränkischen Kaufmann und Hopfenhändler Walter Barth (1878-1961) zurück, dessen historische und kunstgeschichtliche Leidenschaft sich besonders in seiner Goethe-Verehrung ausdrückte. Den Großteil seines Konvoluts trug Barth in den 1920er und 1930er Jahren zusammen. Nach seinem Tod blieb die Sammlung im Familienbesitz und wurde nun öffentlich angeboten. Eine vergleichbar umfangreiche Sammlung von Goethe-Briefen ist seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr auf den Auktionsmarkt gelangt.
Das Goethe- und Schiller-Archiv beteiligte sich an der Auktion, um zentrale Zeugnisse für die öffentliche Hand zu bewahren. Insgesamt 22 Autographen, darunter sieben eigenhändige Stücke Goethes, konnten erworben werden.
„Wir sind sehr glücklich, dass wir so hochkarätige Zeugnisse der Weimarer Klassik für die Öffentlichkeit und nachfolgende Generationen sichern konnten“, freut sich Dr. Christian Hain, Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs.
Nach der konservatorischen Erstversorgung werden die Stücke verzeichnet, anschließend digitalisiert und über die Archivdatenbank des Goethe- und Schiller-Archivs digital zugänglich sein. Mit den Neuerwerbungen erweitert das Goethe- und Schiller-Archiv seinen seit 2001 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählenden Bestand des literarischen Nachlasses Goethes. Die Erwerbungen wurden ermöglicht durch die Unterstützung des Freistaats Thüringen, der Freundesgesellschaft des Goethe- und Schiller-Archivs, des Freundeskreises Goethe-Nationalmuseum, der Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek, der Weimarer Kunstgesellschaft sowie der Goethe-Gesellschaft.
Private Einblicke in Goethes Korrespondenz
Zu den Highlights der Sammlung zählt ein im Sommer 1809 verfasster Brief Goethes an Friedrich Schillers Schwägerin Caroline von Wolzogen, in dem er sich für den „übersendeten Thee“ bedankt und Anteil am Gesundheitszustand ihres Mannes Wilhelm von Wolzogen nimmt, der Goethe „sehr am Herzen liegt“.
Ein weiterer bedeutender Brief stammt vom 13. August 1791 und ist an Goethes engsten Ministerialkollegen Christian Gottlob Voigt gerichtet. Die erhaltenen Siegelreste machen das Stück besonders forschungsrelevant.
Zudem konnte ein eigenhändiger Brief vom 6. Januar 1832 an den Maler und Kunstschriftsteller Johann Heinrich Meyer erworben werden. Meyer war von 1806 bis 1832 Leiter der Freien Zeichenschule in Weimar. In dem Entschuldigungsschreiben für seine Enkel Walther und Wolfgang bittet Goethe darum, die beiden Kinder bis Ostern vom Zeichenunterricht freizustellen. Das Osterfest am 22. April 1832 sollte Goethe nicht mehr erleben, er starb am 22. März.
Unter den Erwerbungen befindet sich auch ein bislang völlig unbekannter Brief Goethes. In dem an den Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch gerichteten Schreiben, das vermutlich im Mai 1780 entstand, bittet der Dichter um die gedruckte Ankündigung eines neuerrichteten wohltätigen Selbstverlags in Blieskastel als Alternative zum etablierten Buchhandel. Die Wissenschaftler*innen am Goethe- und Schiller-Archiv werden den Text im 12. Band der historisch-kritische Edition der Briefe Goethes als Nachtrag erstmals aufbereiten und kommentieren.
Neben den Autographen aus Goethes Hand ersteigerte das Weimarer Literaturarchiv 15 weitere historisch-bedeutsame Dokumente aus dem Umfeld Goethes, darunter Briefe von Johann Peter Eckermann, Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, Karl Ludwig von Knebel, Friedrich von Müller, Friedrich Wilhelm Riemer und Carl Friedrich Zelter. Ganz besonders anrührend ist der Brief, den Charlotte von Stein am 7. Dezember 1821 an ihre Enkel Fritz und Karl richtet, verbunden mit 50 Talern als Weihnachtsgabe, die sie am Heiligabend aber lieber persönlich geschenkt hätte: „… hätte ich es nur auch an ein Christbäumchen hängen können mit vergoldeden Äpfeln und Nüssen mit vielen Wachsstöckchen durch die Dunkelheit zu brechen und Euch dabey einen herzlichen guten Abend zu zurufen, das stelt Euch nun alles hübsch in Gedancken vor …“
„Für das Goethe- und Schiller-Archiv geht damit ein überaus erfolgreiches Erwerbungsjahr 2025 zu Ende“, bilanziert Christian Hain. Neben den Goethe-Autographen wurden auch bedeutende Handschriften für weitere zentrale Bestände wie Schiller, Wieland und Liszt angekauft.