Zurück zur Übersicht

Glocken im Weimarer Schlossturm erklingen an Heiligabend zum 300. Jubiläum

Wenn am Heiligabend um 19 Uhr die Glocken im Weimarer Schlossturm läuten, erinnern die Klassik Stiftung Weimar und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten damit an das erste Festgeläut am 24. Dezember 1713. Weimarer Kirchen werden in das Geläut einstimmen.

Während die beiden bronzenen Uhrschlagglocken in der Laterne des Schlossturmes älter und für Passanten sichtbar sind, bleiben die fünf bronzenen Läuteglocken, die zwischen September 1712 und Oktober 1713 zusammen mit drei Glocken für die neuerbaute Jakobskirche gefertigt wurden, dem Auge verborgen. Der Erfurter Glockengießer Nicolaus Jonas Sorber (auch Surber oder Sürber) hat die acht Glocken in der Nähe des damaligen Welschen Gartens (im Bereich des heutigen Beethovenplatzes) aus Kupfer und Zinn der Ilmenauer Gruben gegossen. Der Klang dieser Glocken wurde aufeinander abgestimmt, obwohl sie an verschiedenen Orten zur Aufstellung kommen sollten. Es wird vermutet, dass der Hoforganist und Konzertmeister Johann Sebastian Bach hierbei zumindest beratend einbezogen war. Die Glocken der Jakobskirche wurden bereits im Oktober 1713 in den Turm aufgezogen, so dass sie zur Weihe der Kirche am 6. November läuten konnten. Das fünfstimmige Geläut für das damalige Residenzschloss war zunächst in einem provisorischen hölzernen Glockenhaus im Schlosshof aufgehängt worden, da der alte Schlossturm dafür ungeeignet war. Erst durch den Umbau durch Gottfried Heinrich Krohne, auf den die heutige Gestalt des Turmes zurückgeht, konnten die Glocken im Oktober 1728 unter großen Mühen in den Schlossturm aufgezogen werden. Mit dem höheren Standort erzielte man eine wesentlich bessere Klangentfaltung über die Stadt, wofür notwendigerweise auch die Luken des Schlossturmes geöffnet werden. Aus den Quellen lässt sich schlussfolgern, dass das neue Schlossgeläut erstmals Heiligabend 1713 zu den Gottesdiensten in der als »Weg zur Himmelsburg« bezeichneten Schlosskirche rief – also vor genau 300 Jahren.

Die fünf Glocken erreichen zusammen ein Gewicht von knapp 16 Tonnen. Bevor im 20. Jahrhundert Elektromotoren eingebaut wurden, waren 27 Männer notwendig, um die Glocken entsprechend der Läuteordnung erklingen zu lassen. Während die drei kleineren Glocken nur durch Treten auf die Trittbretter zum Schwingen gebracht wurden, war bei den zwei größten Glocken zudem noch das Seilziehen notwendig. Die größte Glocke allein hat ein Gewicht von acht Tonnen, eine Höhe von zwei Metern und einen unteren Durchmesser von 2,33 Metern. Sie wurde nur zu den höchsten kirchlichen Festtagen und sehr wenigen weltlichen Gedenktagen geläutet. Für die Gottesdienste wurde je nach Bedeutung innerhalb des Kirchenjahres und des Wochentages die Anzahl der zu läutenden Glocken festgelegt. Auf allen Glocken sind das detailreiche Weimarische Landeswappen, wie es in Abwandlungen noch heute am ehemaligen Fürstenstuhl der Herderkirche zu sehen ist, und die kunstvoll in sich verwobenen Initialen von Herzog Wilhelm Ernst abgebildet, der die beiden Geläute für ca. 10.000 Gulden in Auftrag gab.

Experten betonen die hohe Bedeutung der fünf Schlossglocken. Ihren Einschätzungen zufolge gehört das fünfstimmige Geläut zu den gelungensten barocken Geläuten in Europa und zu den wenigen, die sich nach den kriegsbedingten Verlusten erhalten haben. Zu diesen Verlusten zählen auch die Sorber-Glocken der Jakobskirche.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Internetauftritt der Klassik Stiftung Weimar verwendet Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden. Zur Datenschutzerklärung

Verstanden