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»Hinaus in die Natur! Barbizon, die Weimarer Malerschule und der Aufbruch zum Impressionismus« – Klassik Stiftung Weimar zeigt Ausstellung zum 150. Gründungsjubiläum der Weimarer Kunstschule

Vom 14. März bis 30. Mai 2010 präsentiert die Klassik Stiftung Weimar anlässlich des 150. Gründungsjubiläums der Weimarer Kunstschule eine hochkarätige Auswahl von rund 200 Werken im Neuen Museum Weimar, darunter Gemälde von Gustave Courbet, Camille Corot, Theodor Rousseau, Claude Monet sowie Hans Thoma, Carl Schuch, Paul Baum und Christian Rohlfs. Die Ausstellung beleuchtet erstmals die weitgehend unbekannte Rolle der Weimarer Malerschule für die Etablierung der Freilichtmalerei im Beziehungsgeflecht zwischen Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.

 

Mit der Gründung der Kunstschule in Weimar im Jahr 1860 und dem Bau des Großherzoglichen Museums 1869, dem heutigen Neuen Museum, als Ausstellungsraum für die fürstlichen Sammlungen knüpfte Großherzog Carl Alexander an eine Kunsttradition in Weimar an, die vom Wirken Lucas Cranach des Älteren über die Gründung der Fürstlichen Freien Zeichenschule bis zur Sammlungstätigkeit zu Zeiten von Herzog Carl August und Goethe reicht. Im Unterschied zu anderen deutschen Kunstakademien nahm die Landschaftsmalerei in Weimar von Beginn an eine gleichberechtigte Stellung neben der Historien- und Genremalerei ein. Schnell entwickelte die neu gegründete Kunstschule deutschlandweit Anziehungskraft und leistete insbesondere für die Etablierung einer realistischen Landschaftsauffassung als Ausdruck einer neuen Naturerfahrung einen entscheidenden Beitrag. Sie bereitete den Weg für den Impressionismus, der in Weimar um 1890 erstaunlich früh rezipiert wurde.

 

Der nach 1870 in die Kunstkritik eingeführte Begriff »Weimarer Malerschule« bezeichnet nicht die Institution der Kunstschule, sondern einen Kreis von Professoren und Absolventen, der sich im Laufe der 1870er und frühen 1880er Jahre den pleinairistischen Tendenzen öffnete und innerhalb der deutschen Kunstszene eine eigenständige künstlerische Position entwickelte. Die Grundlagen dafür legten Arnold Böcklin und Franz Lenbach, die 1860 zu den ersten Lehrern der Kunstschule zählten. 1862 trat Alexander Michaelis die Nachfolge Böcklins an. Er machte seine Schüler auf die Bildwürdigkeit der Umgebung Weimars aufmerksam und hielt sie zum verstärkten Studium der Natur an. Die Berufung Theodor Hagens im Jahr 1871, der Schüler wie Ludwig von Gleichen-Russwurm, Hans Peter Feddersen, Franz Bunke, Paul Baum und Christian Rohlfs entscheidend zur Entfaltung ihrer individuellen Anlagen ermutigte, gab der Landschaftsmalerei weitere Impulse. 1875 kam Albert Brendel als Lehrer nach Weimar, der ab 1855 regelmäßig in Barbizon gearbeitet hatte. Brendels Erfahrungen mit der aktuellen französischen Kunst intensivierten die Auseinandersetzung mit Werken der Schule von Barbizon, die bis dahin in Weimar lediglich durch Reproduktionen bekannt waren. In Abkehr von den idealen Landschaften des 18. Jahrhunderts basierte die neue Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon auf der genauen Beobachtung der Natur und der direkten künstlerischen Auseinandersetzung mit der heimischen Umgebung, die nun auch in ihren unspektakulären Aspekten dargestellt wurde.

Ein weiterer maßgeblicher Entwicklungsschub fand um 1890 statt, als in Weimar französische impressionistische und neoimpressionistische Werke von Claude Monet, Camille Pissarro und Alfred Sisley öffentlich gezeigt wurden und Künstler wie Christian Rohlfs und Ludwig von Gleichen-Russwurm unmittelbar darauf reagierten.

 

Neben Werken aus den Sammlungen der Klassik Stiftung Weimar wird die Ausstellung durch internationale und nationale Leihgaben renommierter Häuser ergänzt, darunter das Gemeentemuseum Den Haag, das Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam, das Musée d’Orsay in Paris, die Hamburger Kunsthalle, die Neue Pinakothek München, die Nationalgalerie Berlin, das Museum der bildenden Künste Leipzig und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

Zur Ausstellung erscheint im Kerber Verlag ein umfangreicher Katalog, herausgegeben von Gerda Wendermann, mit Beiträgen von Carolin Dudkowiak, Jenns Howoldt, Anne Levin, Bernd Müllerschön, Thomas Maier, Alf Rößner, John Sillevis, Peter Stapf, Peter Thurmann, Gert-Dieter Ulferts, Sabine Walter, Gerda Wendermann, Bettina Werche, Simone Wiechers und Hendrik Ziegler.

 

Die Klassik Stiftung bietet ein vielseitig Rahmenprogramm mit Vorträgen, Kuratorenführungen, Exkursionen zu den beliebtesten Motiven der Weimarer Künstler und ihren Ateliers in Weimar sowie ein »Kreatives Menü«. Eine offene Werkstatt in den Räumen des Neuen Museums sowie Lehrerfortbildungen ergänzen die Angebote, die sich gezielt an Schulklassen, Kinder und Familien richten.

 

Begleitend zur Ausstellung findet vom 11. April bis 21. Mai 2010 im Druckgrafischen Museum »Pavillon-Presse« eine Kabinettausstellung über den Weimarer Radierverein statt.

 

Ausstellungsdaten

»Hinaus in die Natur! Barbizon, die Weimarer Malerschule und der Aufbruch zum Impressionismus«

14. März bis 30. Mai 2010

Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Neues Museum Weimar, Weimarplatz 5 | 99423 Weimar

5,50 € / erm. 3,50 € / Schüler 1,50 €

Eine Audioguideführung ist im Eintritt inbegriffen.

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren erhalten freien Eintritt.

 

 

Katalogdaten

Hinaus in die Natur!

Barbizon, die Weimarer Malerschule und der Aufbruch zum Impressionismus Herausgegeben von Gerda Wendermann

Mit einem Vorwort von Wolfgang Holler

1. Auflage 2010, Kerber-Verlag

360 Seiten, 200 Farbabbildungen

Museumsausgabe: 39 €

Buchhandelsausgabe: 48 €

ISBN 978-3-86678-381-2

 

Führungen

Öffentliche Führungen

jeden Sonntag | 11 Uhr

 

Kuratorenführungen

21. März 2010, 11. April 2010, 25. April 2010 und 09. Mai 2010 | 11 Uhr

Neues Museum Weimar

Weimarplatz 5 | 99423 Weimar

Führung im Eintrittspreis enthalten

 

Aktuelle Informationen zur Ausstellung sowie zum Rahmenprogramm unter

svdmzweb01.klassik-stiftung.de/weimarer-malerschule

 

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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