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02.06.2026

Klassik Stiftung Weimar erhält umfangreiche Schenkung mit bisher unbekannten Werken

Anlässlich des 150. Geburtstages des in Breslau geborenen Malers und Grafikers Alexander Olbricht am 6. Juni schenken seine Erben 540 Grafiken, historische Fotografien und weitere Arbeiten aus dem Nachlass. Die Direktion Museen der Klassik Stiftung Weimar entdeckt darunter unbekannte Werke seiner Ehefrau Margarete geborene Thurow, eine der ersten Studentinnen an der Weimarer Kunstschule. Als junger Maler kam Olbricht 1899 für das Studium bei Theodor Hagen (1842-1919) nach Weimar, wo er bis zu seinem Tod 1942 lebte. Er heiratete 1904 seine aus Mecklenburg stammende Mitstudentin Margarete Thurow und war mit dem in Weimar geborenen Grafiker Marcus Behmer (1879–1958) eng befreundet, einem der ersten offen homosexuell lebenden Künstler der Zeit.

Seit 2004 haben Olbrichts Erbinnen den Museen der Klassik Stiftung Weimar insgesamt rund 12.000 Werke aus dem Nachlass als Schenkung und Dauerleihgaben übergeben oder zum Ankauf angeboten, darunter auch zahlreiche Arbeiten von Olbrichts Freund Marcus Behmer. Anlässlich des 150. Geburtstages von Alexander Olbricht konnte nun eine neue, höchst bedeutende umfangreiche Schenkung an die Direktion Museen der Klassik Stiftung Weimar vereinbart werden. Das Konvolut umfasst 275 kunst- wie kulturhistorisch wertvolle Glasplattennegative und 62 frühe Abzüge von Aufnahmen Alexander Olbrichts wie auch von seinem Vater, dem 1892 verstorbenen Maler Gustav Olbricht. Die historischen Fotografien zeigen malerische Landschaften und Szenen des Familienlebens aus dem Weimarer Merketal und Olbrichts Breslauer Heimat. Außerdem bereichern 55 Druckgrafiken von Olbricht und Marcus Behmer nunmehr den musealen Bestand, darunter aufwendig gestaltete Exlibris. Eine Mitgliedskarte vom Riesengebirge-Verein des Vaters und ein seltenes ausgeblasenes und bemaltes Hühnerei als Geschenk von Marcus Behmer zum 25. Hochzeitstag des Künstlerpaares sind ebenfalls Teil der gewichtigen Zuwendung. 

Von der Weimarer Malerschule geprägt, fand Olbricht seine scheinbar zeitlosen, vorindustriellen Motive in den Dörfern um Weimar, aber auch den Landschaften Mecklenburgs oder Schlesiens. Gattungsmäßiger Schwerpunkt seines Oeuvres ist die Zeichnung und die Druckgrafik mit Radierung, Lithografie und Holzschnitt. Von der Ästhetik unscheinbarer Details fasziniert, verlieh er alltäglichen Details wie Ästen, Zäunen oder Telegrafenmasten eine für sich stehende, grafische Linearität. Sein Augenmerk auf das Unspektakuläre kennzeichnet gleichermaßen Malerei und Grafik. Das bevorzugt Kleinformatige und die zarten Pastelltöne der Kolorierung laden zum konzentrierten Betrachten ein. Seine Begeisterung für die Linie und die von Pflanzen abgeleitete abstrahierte Ornamentik weisen Olbricht als Jugendstilkünstler aus. Ab 1921 zum Professor an der parallel zum Bauhaus in Weimar arbeitenden Hochschule für bildende Kunst ernannt, blieb er seinen Motiven und dem Stil der frühen Jahre treu. 1935 wurde er von der NS-Regierung gezwungen, seine Professur abzugeben und die Hochschule zu verlassen.

Dr. Annette Ludwig, Direktorin der Museen der Klassik Stiftung Weimar, freut sich über die jahrzehntelange vertrauensvolle Verbindung der Nachfahren von Alexander Olbricht mit der Direktion Museen. Sie betont, „dass die Schenkung zum Gedenken an den 150. Geburtstag Olbrichts in Qualität und Umfang außerordentlich ist und die Sammlung der Museen fantastisch ergänzt und qualifiziert. Auch durch die Arbeiten befreundeter Künstler sowie durch die Werke von Margarethe Thurow (1882-1972), ist das Konvolut bedeutsam. Denn die Arbeiten seiner Ehefrau sind gleichsam eine spannende Entdeckung.“

Unbekannte Skizzenbücher, Zeichnungen und das Ölgemälde einer lesenden Frau ermöglichen erstmals Einblick in das Schaffen der jungen Künstlerin Margarete Thurow, die 1903 als eine der ersten Frauen an der Weimarer Kunstschule studierte. Ihre ausdrucksstarken Studien zeigen die sichere Linienführung der vielversprechenden Studentin, die nach der Hochzeit das künstlerische Schaffen aufgab. Nicht zuletzt als Würdigung der großzügigen Schenkung werden ihre Portrait- und Landschaftsstudien sowie Fotografien, die intime Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt der jungen Künstlerin und Mutter vermitteln, erstmals in der ab Frühjahr 2027 ausgerichteten großen Sonderausstellung „I can be … artist“ im Museum Neues Weimar präsentiert.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.