Zurück zur Übersicht

Klassik Stiftung Weimar präsentiert weltweit größte Sammlung an Bauhausteppichen im Rahmen der Ausstellung »Das Bauhaus kommt aus Weimar« – Vorwerk Teppichwerke unterstützten originalgetreue Restaurierung

Die Sammlung der Weimarer Bauhaus-Teppiche ist mit 37 Objekten die größte ihrer Art weltweit. Sie ist Teil der ältesten, von Walter Gropius autorisierten Bauhaus-Sammlung, die heute von der Klassik Stiftung aufbewahrt wird. Mit Unterstützung der Vorwerk Teppichwerke konnten im Zeitraum von März bis Dezember 2008 umfangreiche Restaurierungsarbeiten an insgesamt 17 Objekten vorgenommen werden. „Vorwerk engagiert sich schon seit langem für die Vermittlung des Bauhaus-Gedankens, wie er sich insbesondere in den Webarbeiten der Bauhaus-Frauen darstellt. Ich freue mich sehr, dass Vorwerk mit der Restaurierung unserer außergewöhnlichen Bauhaus-Teppiche auch Verantwortung hier in Weimar übernommen hat," freut sich Dr. Ulrike Bestgen, die Hauptkuratorin der Ausstellung. In zwei zentralen Räumen der Jubiläumsausstellung »Das Bauhaus kommt aus Weimar« werden nun 22 ausgewählte textile Meisterwerke samt Wollproben aus der frühen Bauhaus-Weberei, darunter vor allem klassische Web- und Knüpfteppiche, vorgestellt. Ergänzend wird ein Handwebstuhl aus dem Weimarer Bauhaus präsentiert.   Die Restaurierung durch die Textilrestauratorin Dipl.-Formg. Christiane Schill aus Bad Lobenstein (Thüringen) erfolgte sehr differenziert. Bei der Reinigung, Restaurierung und Konservierung wurde bei der Mehrzahl der Stücke das Prinzip des minimalen Eingriffs angewandt, um einen möglichst originalgetreuen Erhalt der Teppiche sicherzustellen. Die Reinigung der Vor- und Rückseiten, einschließlich der Randbereiche, der Unterfütterung und der Fransen wurde ausschließlich mit Hilfe von kleinen Bürsten und einer speziellen Anlage zum Absaugen durchgeführt. Bei der Behandlung gegen Schädlingsbefall kamen ausschließlich ökologische Mittel zum Einsatz. Eingelagerte Fremdpartikel wurden ohne organische Lösungsmittel entfernt. Wo nötig und möglich, erfolgte eine Nassreinigung mit anschließender Trocknung auf Spezialtischen. Das als Schutz angebrachte Moltongewebe wurde vor der Reinigung entfernt, ebenfalls gereinigt und nach Abschluss der Arbeiten wieder angebracht. Folgende Nähkonservierungsarbeiten wurden ausgeführt: Seitenkanten bzw. Fransen und kleinere Schäden in den Randbereichen wurden fixiert, flottierende Kett- und Schussfäden befestigt, Trägerstoffe auf der Rückseite des Gewebes (mit Stützlinien) angebracht und ein Sicherungsfaden eingezogen, um ein Wegbrechen der Fransen am Hängungsrand zu verhindern. Darüber hinaus wurden zwei Schadstellen durch Wiederherstellung der Konstruktion des Gewebes geschlossen und die gerissenen Schussfäden im artgleichen Material und ebensolcher Farbe aufgenommen. Die Zwischenlagerung der Teppiche erfolgte auf eigens dafür gefertigten, säurefreien, in mehreren Lagen gepolsterten Papprollen.             

Auf Grund der verschiedenen Gewebetechniken, ihrer Konstruktionen und Materialien musste im Rahmen der Restaurierung auf die unkonventionelle Arbeitsweise der Bauhaus-Künstler artifiziell reagiert werden. Das unterschiedliche Reagieren der Materialien auf äußere Einflüsse führte zu starken Veränderungen der Gewebe, die nur teilweise zurückgenommen wurden. Grund dafür ist, dass die durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien im Gewebe entstandenen Unregelmäßigkeiten sich nicht mit Sicherheit auf spätere Umwelteinflüsse zurückführen lassen, sondern möglicherweise gewollte Gestaltungselemente sind. Entsprechende fotografische Vorlagen existieren nicht. Große Zurückhaltung und Sorgfalt leiteten deshalb die Entscheidungen der Restauratorin.  

Die Textilwerkstatt war als eine der ersten Bauhauswerkstätten bereits 1919 arbeitsfähig. Mit durchschnittlich 15 Studierenden bildete sie die größte Ausbildungsstätte am Weimarer Bauhaus. Die künstlerische Leitung übertrug der Meisterrat Johannes Itten als Formmeister, bevor Georg Muche von 1921 bis 1925 diese Aufgabe übernahm. Standen am Anfang noch textile Techniken wie Knüpfen, Sticken, Häkeln, Nähen und Makramee auf dem Lehrplan, verlagerte sich der Ausbildungsschwerpunkt unter Muche auf die Weberei. Da in den Anfangsjahren besonders viele Frauen am Bauhaus studieren wollten, gab es seit Mai 1920 eine »Frauenklasse«, die ein Jahr später in der Weberei aufging. Zwei der begabtesten Studentinnen waren Gunta Stölzl und Benita Koch-Otte, die im März 1922 einen Kurs an der Färbereifachschule in Krefeld absolvierten und danach eine Färberei am Bauhaus einrichteten. Auch Gertrud Arndt, Anni Albers und Astrid Roghé wurden während der Zeit des Bauhauses und später zu den wichtigsten Künstlerinnen im Bereich des textilen Gestaltens. Der Vorkurs von Johannes Itten und Georg Muche mit seiner Kontrastlehre und der Betonung von Texturen prägten die Arbeit in der Textilwerkstatt ebenso wie die Gestaltungslehren von Klee und Kandinsky. Figurative und organische Bildkompositionen wichen zunehmend einer abstrakt-geometrischen Formensprache. Zu den herausragenden Werken dieser Zeit gehören Hedwig Jungniks »Gobelin mit abstrakten Formen«, der »Teppich für ein Kinderzimmer« von Benita Koch-Otte und der »Wandbehang Schwarz-Weiß« von Gunta Stölzl. Ab 1922/23 produzierte die Weberei Stoffe für verschiedene Anwendungsfelder, so Jacquardgewebe von Agnes Roghé oder Decken in Ripsbindung mit Kunstfasern von Jedwig Jungnik. Geknüpfte Bodenteppiche mit geometrischen Mustern sind im Haus am Horn und im Direktorenzimmer von 1923 ausgestellt. Darüber hinaus erhielt die Weberei Aufträge für textile Wand- und Türbespannungen, Möbelbezugsstoffe und Vorhänge. Eine besondere Zusammenarbeit gab es im Bereich der Bauhaus-Möbel zwischen Marcel Breuer und Gunta Stölzl, so beim »Afrikanischen Stuhl« (1921) und den Gurtbespannungen des »Lattenstuhls« (1922/24).      

 

Für Rückfragen stehen Ihnen Dr. Julia Glesner (03643 | 545-104 und 0172 |  8462910) und Saskia Helin (03643 | 545-113 und 0172 | 79 999 59) gerne zur Verfügung.  

 

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Internetauftritt der Klassik Stiftung Weimar verwendet Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden. Zur Datenschutzerklärung

Verstanden