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Maria Pawlowna - Zarentochter am Weimarer HofMaria Pawlowna - Zarentochter am Weimarer Hof

200 Jahre nach ihrer Ankunft in Weimar ist die Zarentochter Maria Pawlowna (1786-1859) für einen Sommer noch einmal an die Stätte ihres Wirkens zurückgekehrt. Mit rund 500 Objekten, die die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen vom 20. Juni bis 26. September im Rahmen der repräsentativen Schau »Ihre Kaiserliche Hoheit« im Schloßmuseum zeigt, hat sie ein Stück vom Glanz ihrer Epoche mitgebracht: Wertvollstes russisches Kunsthandwerk, Silber, Gold, Juwelen und Porzellan sowie liturgisches Gerät, u.a. aus ihrem Brautschatz, daneben Werke zeitgenössischer Künstler, die sie förderte, Tagebücher und Briefe, Erinnerungsstücke ebenso wie zeitgeschichtliche Dokumente. Sie illustrieren erstmals in diesem Umfang die Schlüsselrolle der russischen Prinzessin, die als Begründerin von Weimars »Silbernem Zeitalter« gilt, in der In- und Außenpolitik des Herzogtums Sachsen-Weimar und Eisenach.
Die nach zweijährigen Verhandlungen geglückte Verbindung mit der Zarenfamilie brachte Carl Friedrich, dem Sohn des Weimarer Herzogs, neben einer Frau mit Juwelen und hohem Rang auch eine reiche Mitgift. Die Aus-steuer der Prinzessin, darunter ein Dejéuner aus purem Gold und Services für mehr als 100 Gäste, füllte mehr als 80 Planwagen und war wochenlang im Fürstenhaus öffentlich zu besichtigen. Daneben sorgte eine Million Rubel, die je zur Hälfte in St. Petersburg und in Weimar angelegt wurde, für lebenslange finanzielle Unabhängigkeit. Nicht zuletzt diese Mittel, die mäzenatisches Tun erst möglich machten, prägten Weimars Gesicht im 19. Jahrhundert. Die standesbewußte Enkelin Katharinas der Großen förderte Musik und Kunst, gelehrte Institutionen sowie die Erhaltung und Erweiterung der weitläufigen Parkanlagen. Sie berief Franz Liszt an den Hof und im Weimarer Schloß ließ sie zu Ehren von Goethe, Schiller, Herder und Wieland vier Dichterzimmer einrichten. Darüber hinaus finanzierte sie u.a. Frauenvereine und soziale Einrichtungen. Zeitlebens ihrer Familie eng verbunden, wirkte sie im Spannungsfeld der europäischen Politik als Botschafterin der Romanows im Bündnis gegen Napoleon.
In 28 Räumen, die jeweils einzelnen Themen gewidmet sind, folgt die Weimarer Ausstellung dem Leben und Wirken Maria Pawlownas vor dem Hintergrund ihrer von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen geprägten Epoche. Das reicht von der Jugend der Zarentochter in St. Petersburg, ihrer Heirat 1804 und den ersten Jahren am Weimarer Hof bis hin zur Russischen Politik nach dem Wiener Kongreß, der Europa eine neue Ordnung sowie für Sachsen-Weimar-Eisenach die Erhebung zum Großherzogtum und eine Verdopplung des Territoriums brachte. Einzelne Kapitel gelten außerdem der »Russischen Kolonie« in Weimar, die mit der Zarentochter hier ihren Einzug hielt, der Erziehung und Verheiratung ihrer Kinder - ihre Tochter Augusta wurde erste deutsche Kaiserin - sowie einer von der russischen Fürstin begründeten Memorialkultur.
Mehr als die Hälfte der Ausstellungsstücke, darunter das restaurierte Prunkbett, die Originalpartitur von Mozarts »Zauberflöte« und ein von Carl Alexander in Auftrag gegebener Tisch, auf dessen Platte die wichtigsten Lebensstationen Maria Pawlownas festgehalten sind, stammt aus den Beständen der Weimarer Stiftung und ist zum Teil erstmals zu sehen. Seltene Leihgaben wie eine Schmuckgarnitur der Zarin Maria Feodorowna, ein Service mit Rosenfries von Katharina II., ein Porträt Alexander I. von George Dawe sowie aus Perlmutt gefertigte Geschenke der Großfürstin an ihre Mutter kommen aus der Ermitage in St. Petersburg bzw. aus dem ehemaligen Witwensitz der Maria Feodorowna in Pawlowsk. Stücke des Brautschatzes, die in Weimar nicht erhalten sind, konnten, da die Aussteuer für die Töchter Pauls I. weitgehend identisch war, aus Museen in Stuttgart und Schwerin sowie dem niederländischen Königshaus beigesteuert werden.
Die Ausstellung umfaßt mit den Räumen des Ost-, Nord- und West-flügels die gesamte Beletage des ehemaligen Residenzschlosses. Einbezogen sind die privaten Gemächer Maria Pawlownas, die sie 1804 bezog und von denen allein das nach seiner Wandtäfelung benannte Zedernzimmer authentisch erhalten blieb; außerdem die später durch die Erweiterung der Residenz gewonnenen Räume im Westflügel. Seit Jahrzehnten erstmals wieder öffentlich zugänglich ist hier das Treppenhaus zur ehemaligen Schloßkapelle mit zahlreichen Bildnissen bedeutender Männer des Weimarer Hofes.
Der von der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen herausgegebene Begleitkatalog zur Ausstellung »Ihre Kaiserliche Hoheit. Maria Pawlowna - Zarentochter am Weimarer Hof« (29.90 Euro) enthält in einem zweiten Teil eine CD-ROM mit 30 Aufsätzen sowie ergänzenden Texten zu Exponaten und zur Biographie Maria Pawlownas, die die wichtigsten aktuellen Forschungsergebnisse zum Thema widerspiegeln.

Die Ausstellung wird als ein Höhepunkt im Programm der deutsch-russischen Kulturbegegnungen am 19. Juni, 17 Uhr, eröffnet. Sie ist bis 26. September täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen. Führungen werden jeweils sonntags um 11 Uhr angeboten. Ein umfassendes Rahmenprogramm führt auf »Russischen Spuren in Weimar« zur Russisch-orthodoxen Kapelle auf dem Historischen Friedhof, nach Schloß und Park Belvedere sowie in den Russischen Garten. Zu einzelnen Themen der Ausstellung finden Gespräche und Sonderführungen statt. In Kooperation mit der Weimarer Mal- und Zeichenschule gibt es außerdem ein Atelierprojekt für Kinder und Jugendliche, in dem es darum geht, in der Ausstellung Erlebtes und Gesehenes künstlerisch umzusetzen.

Digitales Bildmaterial zur Ausstellung kann angefordert werden unter: presse@swkk.de

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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