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Auf dem Bild ist der Screenshot einer Seite des Online-Werkverzeichnisses zu sehen. © Henry van de Velde Family Foundation
29.08.2025

Meilenstein für Designbegeisterte weltweit

Klassik Stiftung Weimar publiziert Online-Werkverzeichnis von Henry van de Velde

Ergebnisse aus mehr als zwanzigjähriger Forschung: Über 1.600 Objekte des belgischen Designers sind jetzt für alle zugänglich. Ab dem 29. August 2025 ist das digitale Werkverzeichnis kostenlos und weltweit abrufbar unter www.wvz-henryvandevelde.de.

Van de Velde war einer der einflussreichsten Gestalter des frühen 20. Jahrhunderts. Zwischen den 1890er- und den 1940er-Jahren entwarf er stilprägende Gebrauchsgegenstände aus Metall, Textil, Keramik, Holz u.a. – von elegant geschwungenen Stühlen bis zu kunstvoll gearbeiteten Teekannen. In Weimar ist im Museum Neues Weimar in der Ausstellung „Wege zum Bauhaus“ eine umfassende Auswahl an Werken Henry van de Veldes zu entdecken; das Erdgeschoss des Weimarer Nietzsche-Archivs wurde von van de Velde eigens umgestaltet. Jetzt sind 1.657 seiner kunstgewerblichenEntwürfe in einem digitalen Werkverzeichnis umfassend dokumentiert: Mit Informationen zu Entwurfsjahr, Materialien, Maßen, Herstellern, Auftraggebern, erhaltenen Exemplaren und deren Herkunft. Ergänzt werden diese Daten durch eine Vielzahl von Abbildungen – viele davon in hoher Auflösung mit Zoomfunktion.

Dr. Annette Ludwig, Direktorin der Museen der Klassik Stiftung Weimar und steuernd für das Projekt verantwortlich, freut sich, „dass nicht nur Wissenschaft und Museen, sondern auch öffentliche und private Sammlungen, Handel- und Auktionshäuser sowie Kulturinteressierte auf der ganzen Welt in das Werk des Künstlers eintauchen können. Das ist möglich durch den von den großzügigen Fördermittelgebern vorbehaltlos unterstützten Schritt der Umstellung auf eine ambitionierte digitale Publikation. Sie ist nicht nur ein Meilenstein für die van de Velde-Forschung, sondern setzt auch für die Gattung Werkverzeichnis Maßstäbe“. 

Das Projekt setzt das zwischen 2009 und 2016 im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar in drei Buchbänden publizierte Werkverzeichnis von Thomas Föhl und Antje Neumann fort. 2022 wagte die Direktion Museen der Klassik Stiftung Weimar einen Neuanfang mit der Umstellung auf eine Online-Edition und der vorläufigen Einstellung der Printversion. Die digitale Fassung ist mehr als eine neue Form. Sie ermöglicht Ergänzungen und Korrekturen auch nach der Publikation und eine schnelle Kommunikation über das Netz.

Erstmals online veröffentlicht werden 377 Modelle von Sitz- und Ruhemöbeln sowie Korbmöbeln – mit rund 800 Abbildungen. Darunter sind historische Fotografien der Möbel, Kataloge und ein Auftragsbuch für Korbmöbel, die nun eingesehen werden können und beispielsweise die Zuschreibung der Möbel ermöglichen.

Daneben bietet das Werkverzeichnis auch Hintergrundinformationen über wichtige Personen, Körperschaften, Aufträge und Ausstellungen aus dem Umfeld, in dem die Objekte entstanden sind – insgesamt über 800 Einträge und fast 1.500 Bilder. Sie erzählen von prominenten Kund*innen wie Harry Graf Kessler oder Helene Kröller-Müller, aber auch von größeren und kleineren Betrieben wie der Möbeltischlerei H. Scheidemantel in Weimar und den Kunstgewerblichen Werkstätten des Korbflechters Ernst Schmiedeknecht in Tannroda.

Das von Bea Maybach und Manuel Schwarz erarbeitete Online-Werkverzeichnis wird fortlaufend aktualisiert: Bis 2027 sollen rund 700 weitere Katalogeinträge zu den Möbeln hinzukommen. Die IT-Experten Marc Blechschmidt und Christiane Kümpel setzten das von den Museumsmitarbeitenden entwickelte Layout im Rahmen der digitalen Transformation der Klassik Stiftung Weimar um. 

Die Bremer Mäzenin Karin Hollweg gratulierte der Klassik Stiftung Weimar: „Es ist ein bedeuteter Meilenstein, der nicht nur ein wertvoller Beitrag zur Kunst- und Designgeschichte, sondern auch eine unverzichtbare Grundlage für die weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit dem außergewöhnlichen Schaffen Henry van de Veldes darstellt. Das Engagement und die akribische Arbeit haben ein digitales Nachschlagewerk geschaffen, das Forscherinnen und Forscher, Studierende und Liebhaber der Kunst gleichermaßen begeistern wird.“

Gefördert wurde das Projekt von 2001 bis 2016 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Ernst von Siemens Kunststiftung sowie 2008 von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Seit 2022 unterstützen die Karin und Uwe Hollweg Stiftung aus Bremen und die Henry van de Velde Family Foundation das Forschungsvorhaben. Internationale Kooperationspartner sind die École nationale supérieure des arts visuels de La Cambre mit dem Fonds Henry van de Velde ASBL, Brüssel, die Archives et Musées de la Littérature und die Königliche Bibliothek Belgiens (KBR) in Brüssel, die Universitätsbibliothek Gent sowie das Museum für Gestaltung Zürich.

>> Zu den Pressebildern gelangen Sie hier (Passwort: Werkverzeichnis)

Bei Fragen und Interviewwünschen kontaktieren Sie uns gerne. 

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.