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18.11.2021

„Möbel in Bewegung“

Interventionen in Dichterhäusern machen Museums- und Zeitgeschichte sichtbar

Die Weimarer Dichterhäuser wirken, als hätten Goethe und Schiller sie gerade erst verlassen. Tatsächlich wurden manche der ehemaligen Wohnräume aber erst nachträglich so gestaltet, als möglichst genaue Rekonstruktion. Seit dieser Woche rücken drei Interventionen in Goethes und Schillers Wohnhaus sowie in Goethes Gartenhaus die Gemachtheit dieser Räume in den Fokus. Unter dem Titel „Objektgeschichten. Möbel in Bewegung“ lassen sie am Beispiel einzelner Möbelstücke die museale Inszenierung der Wohnräume sichtbar werden – und erzählen dabei ihre ganz unterschiedliche, bewegte Geschichte während der letzten 200 Jahre.

Im Fokus stehen Schillers Schreibtisch, der 1942 für einen Nachbau ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht wurde, Goethes Mappenschrank, der möglicherweise gar nicht ins Gartenhaus gehört, und die Möbel des Urbino-Zimmers, die nicht von Goethe stammen, sondern von seiner Schwiegertochter Ottilie.

Die authentischen Möbel aus Schillers Wohnhaus wurden 1942 ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht, um in der dortigen Tischlerei Nachbauten anfertigen zu lassen. Diese ersetzten während des Zweiten Weltkriegs die im bombensicheren Depot gelagerten Originale. Die Herstellung in Buchenwald, angeleitet vom Häftling Willy Werth, macht sichtbar, wie die Museumsleitung und die nationalsozialistische Führung in Weimar zusammenarbeiteten. Der Nachbau von Schillers Spinett wurde noch bis 1998 in den Räumen der damaligen Stiftung Weimarer Klassik als authentisches Objekt präsentiert. Die Intervention zeigt einen der in Buchenwald nachgebauten Stühle neben den Original-Möbeln in Schillers Arbeitszimmer.

Ob Goethes Mappenschrank im Gartenhauses tatsächlich zur Original-Einrichtung gehört, ist dagegen unklar. Seine originalgetreu wiederhergestellte rote Farbe macht weitere Farb- und Zeitschichten unsichtbar. Zum ersten Mal ist der Schrank, in dem Goethe seine Graphik-Sammlung aufbewahrte, auf einer Zeichnung von 1827/28 dargestellt, als der Dichter bereits am Frauenplan wohnte. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts stand der Schrank im Depot, bis er 2005 restauriert wurde. Die Intervention rekonstruiert die verschiedenen Stationen und Zustände des heute wieder originalgetreu erscheinenden Möbelstücks.

Die Möbel, die heute im Urbino-Zimmer in Goethes Wohnhaus stehen, sind wiederum vom Dachgeschoss dorthin gewandert. Nach dem Tod des Dichters zog seine Schwiegertochter Ottilie von dort eine Etage tiefer ins Urbino-Zimmer. Wie genau sie das Zimmer einrichtete, war später nicht mehr nachvollziehbar, die Inszenierung ihrer Möbel ist eine Annäherung. Ob sich Goethes Einrichtung dank neuer Erkenntnisse rekonstruieren lässt, wird derzeit von der Klassik Stiftung untersucht.

Die Interventionen wurden gefördert durch den AsKI e.V. und sind in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora entstanden.

Ausstellungsdaten
Objektgeschichten. Möbel in Bewegung
Dreiteilige Intervention in Goethes Wohnhaus, Schillers Wohnhaus und Goethes Gartenhaus
15. November 2021 bis Sommer 2022
Die Interventionen sind im Eintritt der jeweiligen Häuser inbegriffen.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.