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Neues Museum Weimar zeigt die Grabkammer des Künstlers Erik Niedling

Ab Sonntag, 24. Juni 2012, zeigt die Klassik Stiftung Weimar die Ausstellung »Erik Niedling mit Ingo Niermann. 18.10.1973 – 29.02.2012« im Neuen Museum Weimar. Erik Niedling, in Erfurt geboren und in Berlin lebend, wurde in den letzten Jahren durch seine künstlerische Fotografie bekannt. 2010 war er Stipendiat des Freistaates Thüringen und in diesem Zusammenhang mit einigen seiner »Redox«-Arbeiten im Neuen Museum präsent. Wie schon in seinen Fotografien thematisiert ErikNiedling in der neuen Ausstellung das Verschwinden – diesmal das eigene und das der eigenen Werke. Niedling erweist sich dabei als Künstler, der über den Tod hinaus über sein Werk verfügt und damit zugleich auch die Konstruktion von Erinnerung thematisiert.

Als Ausgangspunkt für sein Ausstellungsprojekt diente Erik Niedling eine zentrale Frage: Wie wäre es, nur noch ein Jahr zu leben – ohne an einer Krankheit zu leiden, ohne Hoffnung auf nur eine einzige Stunde mehr? Die durchschnittliche Lebenserwartung kann uns vortäuschen, noch viele Jahre vor uns zu haben. Die Annahme, es sei nur ein einziges Jahr, weckt uns aus dieser trügerischen Sicherheit auf. Zugleich lässt sie genügend Zeit, noch einige größere Unterfangen in Angriff zu nehmen. Genau das ist der Unterschied zu der auf Seneca zurückgehenden Devise »Lebe jeden Tag, als sei es dein letzter«. Was kann und möchte man in diesem begrenzten Zeitraum nocherleben? Welche Ziele sich noch stecken? Was bleibt unerreicht?

Vom 01.03.2011 bis zum 29.02.2012 lebte Erik Niedling einem von Ingo Niermann entworfenen Drill folgend ein Jahr lang so, als sei es sein letztes. Hatte er sich in seinem bisherigen künstlerischen Werk als Fotograf und Archivar dessen, was andere erbauten, pflanzten und fotografierten, zurückgenommen, widmete er sich unter der Annahme, nur noch ein Jahr lang zu leben, ganz seinem eigenen, am 18.10.1973 begonnenen Leben unddessen Relikten. Besonderes Augenmerk lag auf einer Nacht in den späten 1990er Jahren, in der er in seiner Heimatstadt Erfurt an einer Reihe physischer und psychischer Ausschreitungen beteiligt war und nach der sein Entschluss fiel, Künstler zu werden. Die innerhalb des ›Letzten Jahres‹ konzipierte Ausstellung zeigt Erik Niedlings Entwurf seiner eigenen Grabkammer, der der Grundriss des Neuen Museums Weimar zugrunde liegt. Ein Rundgang durch die außen gelegenen Galerien stellt seine Lebens- und Werkstationen von Geburt an vor. Wie ein Archivar hat Niedling während des einen Jahres sein Werk geordnet und seinLeben dokumentiert. Auf diese Art verweist er darauf, dass jenseits des autonomen Kunstwerks mit seinen ästhetisch-inhaltlichen Kriterien die Ordnung und Archivierung desselben zum Akt des Kunstschaffens werden kann. Niedling selbst bezeichnet sich dementsprechend nicht nur als Fotograf, sondern auch als Archivar, und das nicht ohne Grund, denn Archivieren und Ordnen sind genuine Parameter der Erinnerung. Sie schaffen und konstituieren Erinnerung, in diesem Fall die Erinnerung an das Werk und an den Künstler Erik Niedling bis zu seinem (fiktiven) Verschwinden, dessen Datum im Projekt festgelegt wurde. Es stellt sich nicht nur dem Betrachter die Frage, was danach passieren wird, welchen Weg der Künstler dann einschlagen wird.

2010/11 haben Erik Niedling und Ingo Niermann gemeinsam den Interview-Film »The Future of Art« (HD, 157 min., SternbergPress) realisiert, der die Ausstellung im Neuen Museum Weimar vorbereitet. Anlässlich der Ausstellung erscheint bei Sternberg Press »The Future of Art: A Diary«, 256 Seiten, 146 s/w-Fotos, mit Texten von Tom McCarthy, Erik Niedling, Ingo Niermann und Amy Patton.

Erik Niedling (*1973) lebt in Erfurt und Berlin. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, u.a. im Angermuseum Erfurt und im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Anlässlich seiner Ausstellung »Formation« erschien 2008 eine umfassende Publikation im Hatje Cantz Verlag.
Ingo Niermann lebt in Berlin und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien »Choose Drill/ Drill dich« als Publikation der dOCUMENTA(13).

Das Ausstellungsprojekt von Erik Niedling wurde vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie von der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen gefördert.

Ausstellungsdaten

»Erik Niedling mit Ingo Niermann. 18.10.1973 – 29.02.2012«
Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5 | 99423 Weimar
24. Juni bis 05. August 2012
Eintritt 3,50 Euro | erm. 2,50 Euro | Schüler 1 Euro
Bis 16 Jahre Eintritt frei

Weitere Informationen

www.neuesmuseumweimar.tumblr.com

Pressebilder

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