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Neues Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek erwartet erste Leser

Mit der Einweihung ihres neuen Studienzentrums feiert die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar am 4. Februar ihre Wiedereröffnung als Forschungsbibliothek. Nach gut drei Jahren Bauzeit sind das neue Bibliotheksquartier in Sichtbeziehung zum historischen Stammhaus sowie die beiden Tiefmagazine, über die alte und neue Bibliothek unterirdisch miteinander verbunden werden, - trotz der Brandkatastrophe im September – planmäßig funktionsbereit. Rund 800 000 Bücher sind in den vergangenen sechs Monaten aus verschiedenen Außenmagazinen ins neue Zentralmagazin unter dem Platz der Demokratie umgezogen. 100 000 Bände stehen zusätzlich nach Fachgebieten geordnet in den Lesebereichen zur Verfügung. Insgesamt bietet das neue Zentrum, in dem von der Ausleihe bis zur Mediathek sämtliche Funktionsbereiche der Bibliothek konzentriert werden, auf rund 7000 Quadratmetern Platz für eine Million Bücher und ihre Nutzer. Erstmals können die vom 9. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichenden wertvollen Bestände der 300 Jahre alten Bibliothek hier wieder an einem Ort zusammengeführt werden. Zuletzt hatten rund 80 Prozent des Bestandes außerhalb und unter zum Teil schwierigen konservatorischen Bedingungen untergebracht werden müssen. Nach den Worten von Bibliotheksdirektor Michael Knoche wird der Erweiterungsbau aber nicht nur der lange andauernden räumlichen Not der Weimarer Bibliothek ein Ende bereiten. Möglich wird auch die Umsetzung eines neuen Bibbliothekskonzeptes, bei dem die Arbeit mit den zum Teil einmaligen historischen Quellen im Mittelpunkt steht. Aus der ehemaligen Fürstenbibliothek wird eine moderne Forschungsbibliothek.
Im neuen Studienzentrum sollen die wertvollen Bestände überwiegend vor Ort benutzt werden. Zum Service werden 130 komfortabel ausgestattete Leseplätze, darunter spezielle Behindertenarbeitsplätze, Bereitstellungsfristen von maximal 30 Minuten, die großzügige Freihandbibliothek sowie eine Fotothek mit 150 000 Bildmotiven, verschiedene Veranstaltungsräume und ein Lesecafé gehören.
Durch das neue Studienzentrum, für das die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen mit Ausstattungskosten rund 25 Millionen Euro aufgewendet hat, wird auch ein für die Geschichte Weimars bedeutender historischer Gebäudekomplex wiederbelebt. Das aus verschiedenen Bauepochen stammende Ensemble des sogenannten Roten und Gelben Schlosses wurde zuletzt von der Stadtverwaltung genutzt. Wegen seiner räumlichen Nähe zur Bibliothek wurde es 1999 von der Stiftung für die dringend notwendige Erweiterung erworben. In einem europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für die Bibliothekserweiterung vergab eine international besetzte Jury im Mai 2000 den ersten Preis unter 300 Bewerbern an die Architektengemeinschaft Barz-Malfatti, Rittmannsperger und Schmitz (Erfurt/Weimar). Deren Entwurf, der sich – wie es in der Begründung hieß – durch einen sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz und hohe Funktionalität auszeichnet, wurde modifiziert auch ausgeführt. Im für Bibliothekszwecke umgebauten Roten und Gelben Schloß setzt ein moderner 18 Meter hoher Bücherkubus mit sechs Galerien behutsam neue Akzente. Die Verbindung zwischen alter und neuer Bibliothek durch das Tiefmagazin verweist zudem auf die Einheit eines Bibliotheksquartiers, das erst mit Sanierung des historischen Bibliotheksgebäudes vollendet sein wird.
Das schon lange restaurierungsbedürftige, bei dem verheerenden Brandunglück im September vergangenen Jahres zusätzlich schwer beschädigte Stammhaus der Bibliothek soll samt seines einzigartigen Rokokosaals ab dem Spätsommer dieses Jahres saniert und 2007, im Jahr des 200. Todestages von Anna Amalia, wiedereröffnet werden. Derzeit wird der vom Löschwasser durchtränkte Bau mit Hilfe einer Klimaanlage getrocknet. Mit der Sanierung des Gebäudes, für die rund 12 Millionen Euro notwendig sind, wird hier ein Zentrum für das alte Buch entstehen. Neben dem Rokokosaal und dem Bücherturm, die dann zur Besichtigung einladen, wird der Renaissancesaal im Erdgeschoß für Buchausstellungen zur Verfügung stehen. Die dem Feuer zum Opfer gefallene zweite Galerie des Rokokosaals soll nicht in der alten Form wiedererstehen, sondern einen Sonderlesesaal für das Studium von Handschriften, Inkunabeln, Landkarten und verschiedenen Sondersammlungen aufnehmen. Die in der Brandnacht geretteten historischen Bestände werden an ihren angestammten Platz im alten Haus zurückkehren. Von den 62 000 vom Feuer und Löschwasser zum Teil schwer gezeichneten Büchern, die zur Gefriertrocknung ins Zentrum für Bucherhaltung nach Leipzig gebracht wurden, sind inzwischen 15 000 wieder in Weimar. Die letzten werden zum Jahresende erwartet. Für die dann folgende Restaurierung der beschädigten Bücher bzw. die Wiederbeschaffung verlorener Bestände rechnet die Bibliothek mit einem Zeitraum von mindestens zwei Jahrzehnten.

Am 5. Februar lädt die Herzogin Anna Amalia Bibliothek von 9 bis 18 Uhr zu einem »Tag der offenen Tür« in ihr neues Studienzentrum ein.


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