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»Schillers Helden heute«



Nach der Rolle von Schillers Helden auf den Bühnen von heute fragt die Jubiläumsschau, mit der die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsamm-lungen ab 9. Mai an den 200. Todestag Friedrich Schillers (1759 – 1805) erinnern wird. Die Ausstellung im Weimarer Schiller-Museum thematisiert die Auseinandersetzung mit den großen Dramen des Dichters im Theater und in der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Am Beispiel von sieben Bühnenwerken »Die Räuber«, »Fiesco«, »Don Carlos«, »Wallenstein«, »Maria Stuart«, »Die Jungfrau von Orleans« und »Wilhelm Tell« - soll sowohl Schillers Reaktion auf die Zeitenwende um 1800 als auch die Interpretation seiner Werke in einer nach neuen Orientierungen suchenden Gegenwart anschaulich werden.

200 Jahre nach Schiller geht die Weimarer Ausstellung unter dem Titel »Die Wahrheit hält Gericht - Schillers Helden heute« mit mehr als 600 Exponaten vor allem der Frage nach, was Schiller als Dramatiker modern macht. Die sieben Bühnenwerke entsprechen sieben Kapiteln, bei denen sich in bühnenbildartigen Kulissen zeitgenössische und aktuelle Inszenierungen gegenüberstehen. Mit authentischen Dokumenten, Handschriften, Kalendereinträgen und Notizen Schillers, Bildern und Bühnendekorationen, Fotos, Videos und Filmausschnitten werden jeweils die Entstehungs-geschichte der einzelnen Werke, ihre zeitgenössische Wirkung sowie Bearbeitungen durch Autoren und Regisseure der Gegenwart illustriert.
Schillers Helden sind in der Ausstellung nicht nur die Titelhelden, sondern immer auch ihre Gegenspieler. In ihren wichtigsten Aussagen auf »Heldensäulen« gebannt, erscheinen sie - im unauflöslichen Widerspruch zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft, zwischen Ideal und politischer Wirklichkeit agierend- als zwiespältige Figuren: Machtbesessene, Nihilisten, Zyniker und Selbsthelfer. Der Marquis Posa zum Beispiel als europäischer Aufklärer, der in dem Augenblick, in dem er in den Bannkreis der Macht gerät, seine Ideale verrät oder Wallenstein als Realpolitiker, der unter dem Zwang seiner eigenen Intrige das Lager wechselt. Jene Musterbeispiele Schillers für Handlungszwänge und Abgründe menschlicher Charaktere spiegeln sich immer auch in den Inszenierungen, die die Stücke konsequent im Kontext gegenwärtigen Geschehens zeigen. In der Ausstellung sind das u.a. Hansgünther Heymes »Wallenstein von 1968/69, der vor dem Hintergrund des Vietnam-Krieges entstand oder die »Tell«-Aufführungen von Claus Peymann und Christoph Schroth, beide 1989. Zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution auf den Spielplan gesetzt, wurde die Zwingburg Uri unter dem Eindruck der politischen Entwicklung von der Pariser Bastille zur Mauer in Berlin. Andrea Breth sah 2004 in ihrem »Don Carlos« am Wiener Burgtheater in Philipp II. einen einsamen Bürokraten, der eingeschlossen in ein Labyrinth von trennenden Glaswänden kalt und beziehungslos an der Spitze einer im kafkaesken Sinne perfekt arbeitenden Behörde steht. Zu den aktuellen Inszenierungen, die für die Weimarer Schau ausgewählt wurden, gehören außerdem u.a. Frank Castorfs »Räuber« an der Volksbühne Berlin (1990), Wolfgang Spielvogels »Fiesco« in Frankfurt/M. (2004), Brechts origineller Zugriff auf Schillers »Jungfrau von Orleans« in seinem Stück»Die heilige Johanna der Schlachthöfe« (1930; Uraufführung 1959 im Hamburger Schauspielhaus), die Collage-Bühnenfassung der »Maria Stuart« für die Uraufführung von Rolf Hochhuths »Wessis in Weimar« durch Einar Schleef am Berliner Ensemble (1993) sowie »Tell«-Aufführungen des Luzernertheaters (2002) und des Deutschen Nationaltheaters auf dem Rütli (2004).
Die Jubiläumsschau, die von einem umfangreichen Veranstaltungs-programm zum Thema «Schiller im Theater heute« begleitet wird, wurde mit 250 000 Euro durch die Kulturstiftung des Bundes sowie mit 50 000 Euro vom Land Thüringen gefördert. Sie ist bis 10. Oktober in Weimar zu sehen und geht anschließend ins Schiller-Nationalmuseum nach Marbach. Die Marbacher Ausstellung »Götterpläne und Mäusegeschäfte« zu Leben und Werk Friedrich Schillers wird vom 30. Oktober bis zum 17. April 2006 im Weimarer Schiller-Museum gezeigt.

Katalog zur Ausstellung »Die Wahrheit hält Gericht – Schillers Helden heute«, hrsg. von der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen 2005; 300 S., 350 Abb., ISBN 3-7443-0129-2, 29,95 Euro
Öffnungszeiten: bis 31. September mittwochs bis montags 9 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 19 Uhr, vom 1. bis 10. Oktober mittwochs bis montags 9 bis 18 Uhr
Führungen: montags, mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags jeweils 13 Uhr sowie freitags und samstags 15 Uhr

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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