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»Winckelmann. Moderne Antike« – Große Jubiläumsausstellung zum 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann eröffnet im Neuen Museum Weimar – Freier Eintritt am Eröffnungsabend

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Anlässlich seines 300. Geburtstags eröffnen die Klassik Stiftung Weimar und die Humboldt-Professur für neuzeitliche Schriftkultur der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am Donnerstag, 6. April, die erste umfassende Ausstellung zu Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) im Neuen Museum Weimar. Unter dem Titel »Winckelmann. Moderne Antike« würdigen die Veranstalter auf über 1.000 Quadratmetern und mit mehr als 200 Plastiken, Gemälden, Zeichnungen, Büchern und Fotografien aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart die internationale Ausstrahlung von Winckelmanns Werken und die Aktualität seiner Ideen.

»Winckelmann ist nicht nur der Begründer der modernen Kunstgeschichte und Archäologie«, betonte Mitkuratorin Elisabeth Décultot auf der heutigen Pressekonferenz, »sondern auch ein Autor, der die europäische Ideen- und Kulturgeschichte in vielfältigen Bereichen wie etwa der Anthropologie, der Ethnologie und der Politik geprägt hat. In unserer Ausstellung wollen wir zeigen, wie sein Werk bis in die Kunst der Gegenwart seine Wirkung entfaltet.«

»Dafür ist Weimar als Ausstellungsort prädestiniert«, ergänzte Mitkuratorin Bettina Werche. »Hier etablierten unter anderem Goethe, Carl Ludwig Fernow und Johann Heinrich Meyer durch ihre Schriften und Ausgaben Wickelmannscher Werke den Gelehrten aus Stendal als Klassiker. Gleichzeitig aber verkürzten sie auch Winckelmanns Aussagen über die Vorbildwirkung griechisch-antiker Kunst. Ab morgen Abend können unsere Besucher erstmals erleben, wie vielschichtig Winckelmann eigentlich ist.«

Am Eröffnungsabend, 6. April, ist das Neue Museum von 20 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

Winckelmann und sein Jahrhundert

Der erste Teil der Ausstellung im oberen Stockwerk führt in Winckelmanns Leben und Arbeitsweisen ein. Fünf Bände allein mit Lesenotizen, eine Leihgabe der Bibliothèque nationale de France, zeugen vom geradezu enzyklopädischen Wissensdurst des Gelehrten. Die ersten Studien zu Werken bildender Kunst, denen Winckelmann in Dresden bildreiche Beschreibungen gewidmet hat, vermittelt die Ausstellung durch Gemälde und die großformatige Skulptur der »Großen Herkulanerin«. In der Preller-Galerie des Neuen Museums sind zudem anhand markanter Beispiele der antiken Skulptur die Stilphasen nachzuvollziehen, nach denen Winckelmann die griechische Kunst völlig neu ordnete und so den Entwicklungsgedanken in der Kunstwissenschaft etablierte.

Die Ausstellung folgt Winckelmann nach Rom, wo er sich ab 1755 niederließ und zu einem europaweit beachteten Gelehrten avancierte. Für die Ausstellung gestaltete Karten, seltene Erstausgaben und Übersetzungen seiner Schriften ins Italienische, Französische und Englische veranschaulichen, wie vielfach international diskutiert Winckelmann schon zu Lebzeiten war. Besonders bemerkenswert ist ein bislang noch nie ausgestelltes, von Lessings Hand annotiertes Exemplar der Hauptschrift Winckelmanns »Geschichte der Kunst des Alterthums«. 

 Der Abschnitt zu seinem Leben schließt mit der originalen Gerichtsakte über Winckelmanns Ermordung 1768 in Triest, die in ganz Europa eine Welle des Entsetzens auslöste. Als Übergang zum zweiten Teil der Schau sind erstmals das kurz nach seinem Tod entstandene Bildnis von Anton Raphael Mengs (Metropolitan Museum, New York) mit bereits zu Lebzeiten gemalten Porträts Winckelmanns und den wichtigsten postumen Büsten in einer Ausstellung zusammengeführt.

Zur Biographie von Johann Joachim Winckelmann

Winckelmann und die Moderne

Das untere Stockwerk des Neuen Museums ist dem Fortwirken Winckelmanns auf nachfolgende Generationen gewidmet. Hier wird die grundlegende Mehrdeutigkeit seiner ästhetischen Ansätze, die nicht nur »edle Einfalt und stille Größe«, sondern auch Bewegung und Pathos kennen, erlebbar. In den thematischen Bereichen Kunst, Anthropologie und Politik stellt die Schau seine vielfältigen Anregungen zu zentralen ästhetischen und gesellschaftlichen Fragen vor: Welche Bedeutung haben Farbe, Linie und Ausdruck in der Kunst? In welcher Weise wirkte Winckelmanns Griechenideal auf das Menschenbild? Inwiefern wurde es politisch vereinnahmt? Was galt, und was gilt heute als schöner Mensch? Eine Auswahl zeitgenössischer Kunstwerke (z. B. von Francesco Vezzoli oder Bettina Rheims) tritt in einen Dialog mit den von Winckelmann bewunderten Meisterwerken der Antike und zeigt, wie »antik« die Moderne in vielerlei Hinsicht ist, und wie »modern« die Antike immer wieder werden kann.

»In den vergangenen Monaten konnte die Ernst von Siemens Kunststiftung den Erwerb einer Büste und mehrerer Briefe Johann Joachim Winckelmanns für deutsche Sammlungen fördern. Die hochkarätige Ausstellung ›Winckelmann. Moderne Antike‹ schließt diese Reihe von Förderungen hervorragend ab und ist ganz im Sinne des Stifters Ernst von Siemens, der einen breiten Zugang zu Kunst und Kultur fördern wollte«, freut sich Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Alexander von Humboldt-Stiftung.

Ein vielfältiges Vermittlungs- und Vertiefungsangebot flankiert die Schau. Unter anderem entstand gemeinsam mit Schülern des Goethegymnasiums Weimar ein interaktiver Vermittlungsraum. Zudem widmet sich vom 19. bis 20. Juni eine Schülertagung unter dem Titel »Schönheitsvorstellungen auf dem Prüfstand« heutigen Idealen und Normierungen von Schönheit.

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung umfasst neben wissenschaftlichen Vorträgen und der Tagung »Archäologien der Moderne. Winckelmann um 1900« auch einen Römischen Abend am 16. Juni und in Kooperation mit dem Schwulen Museum*, Berlin, eine Podiumsdiskussion am 17. Mai über die aktuelle gesellschaftliche Relevanz von Winckelmanns Ästhetik im Hinblick auf Gender-Fragen und die Homosexuellen-Bewegung.

Wir möchten Sie auch darauf hinweisen, dass das Schwule Museum* ab 16. Juni in Berlin die Ausstellung »Winckelmann. Das göttliche Geschlecht« zeigt.

Mehr Informationen zum Rahmen- und Vermittlungsprogramm entnehmen Sie bitte den Dokumenten im Anhang.

»Bezahlen Sie doch, was Sie wollen! Unsere Ausstellung, Ihr Preis.«

Jeden Donnerstag laden die Veranstalter zu einem langen Ausstellungsnachmittag ein. Abweichend von den anderen Öffnungstagen können Interessierte die Ausstellung von 12 bis 20 Uhr besuchen und beim Verlassen selbst entscheiden, welchen Preis sie für die Schau zahlen möchten.

Ausstellungsdaten

»Winckelmann. Moderne Antike«
Jubiläumsausstellung der Klassik Stiftung Weimar und der Humboldt-Professur für neuzeitliche Schriftkultur der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum 300. Geburtstag Johann Joachim Winckelmanns
Vom 7. April bis 2. Juli 2017 | Di, Mi, Fr, Sa, So 10 bis 18 Uhr | Do 12 bis 20 Uhr
Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5 | 99423 Weimar

Eintrittspreise

Di, Mi, Fr Sa, So: Erw. 6,50 Euro | erm. 5 Euro | Schüler (ab 16 Jahre) 2 Euro
Do »Bezahlen Sie doch, was Sie wollen! Unsere Ausstellung, Ihr Preis.«

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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