Zurück zur Übersicht

Zum 250. Geburtstag von Großherzogin Louise von Sachsen-Weimar-Eisenach am 30. Januar 2007

 

Louise Auguste von Hessen-Darmstadt wird am 30. Januar 1757 in Berlin als Tochter des Erbprinzen Ludwig und seiner Gattin, Caroline von Hessen, geboren. Da ihr Vater, der spätere Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt, zur Zeit ihrer Geburt im preußischen Militärdienst ist, lebt die Familie in Berlin. Den größten Teil ihrer Kindheit verbringt Louise in der ländlichen Welt von Buchsweiler, bis die Familie 1765 ins Darmstädter Schloss übersiedelt. 1773 tritt sie zusammen mit ihrer Mutter und ihren unverheirateten Schwestern Amelie und Wilhelmine die beschwerliche Reise ins russische St. Petersburg an. Katharina die Große hat den Entschluss gefasst, unter den darmstädtischen Prinzessinnen die künftige Gemahlin ihres Sohnes, des Thronfolgers Paul, zu wählen. Als die Wahl der Zarin auf ihre ältere Schwester Wilhemine fällt, kehrt Louise nach Darmstadt zurück. Im Jahr nach der Hochzeit am Zarenhof sterben innerhalb einer Woche sowohl ihre Großmutter als auch ihre Mutter. Der Verlust dieser ihr sehr nahe stehenden Menschen prägt das Wesen der ohnehin schüchternen 17-jährigen Louise, die noch zurückhaltender wird.

Im Herbst des Jahres 1774 schließlich signalisiert der Weimarer Hof sein Interesse daran, Louise von Hessen-Darmstadt als Gemahlin Carl Augusts an die Ilm zu holen. Sollte die Heirat zustande kommen, stünde Carl August über seine Schwägerinnen in verwandtschaftlichen Beziehungen zu bedeutenden Fürsten und deren Häusern, darunter die Hohenzollern in Berlin und die Romanows in St. Petersburg. Im Winter des gleichen Jahres tritt Carl August zusammen mit seinem Bruder Constantin seine „Kavalierstour“ an. Während dieser Reise lernt er in Frankfurt den 25-jährigen Goethe kennen, in Karlsruhe seine spätere Frau Louise. Bereits am 19. Dezember 1774 bittet Carl August seine Mutter um ihr offizielles Jawort zum geplanten Verlöbnis.

Im darauf folgenden Jahr wird Carl August mit seinem 18. Geburtstag volljährig und übernimmt am 3. September die Regierungsgeschäfte in Weimar. Nur zwei Wochen später bricht er zu seiner Hochzeit mit Louise nach Karlsruhe auf, am 3. Oktober 1775 schließlich findet die Trauung statt. War das Vermählungszeremoniell eher nüchtern gehalten, so wird das Brautpaar bei seinem Einzug in Weimar am 17. Oktober mit Glockengeläut und Kanonendonner empfangen. Die jungen Eheleute beziehen das damals schmucklose und wenig repräsentative Fürstenhaus neben der Bibliothek, Herzoginwitwe Anna Amalia wechselt ins Wittumspalais, das sie bis zu ihrem Tode bewohnt.

Von außen betrachtet waren Carl August und Louise in der Anfangszeit ihrer Ehe sicherlich ein Paar, das zu den schönsten Hoffnungen Anlass gegeben hat: Ein junger, unternehmungslustiger Herzog und seine anmutige und gebildete Frau, die in ihrer zurückhaltenden Art ein Muster an weiblicher Tugend abgibt. Tatsächlich aber zeigen sich alsbald erste Schwierigkeiten in ihrer Beziehung, die auf die Unvereinbarkeit ihrer Persönlichkeiten zurückzuführen sind. Der eher reservierten Louise, die auf höfische Etikette und vornehme Zurückhaltung größten Wert legt, sind das ausschweifende Leben Carl Augusts, seine laute Art und seine Missachtung der äußeren Form zuwider. Die Verschlossenheit und Bitterkeit Louises wiederum ist ihrem Gatten unverständlich und ein Ärgernis. Wer ihnen nahe steht, bemerkt und bedauert, dass diese beiden Menschen – für sich genommen beides liebenswerte Persönlichkeiten – nicht zueinander finden können.

Hinzu kommt, dass Louise aller Sinnlichkeit abgeneigt gegenübersteht und ihre ehelichen Pflichten als unangenehme, aber unvermeidbare Aufgabe auffasst. Immerhin schenkt sie in der Zeit zwischen 1779 und 1792 sieben Kindern das Leben, von denen jedoch lediglich drei das Erwachsenenalter erreichten.

Bei der Geburt von Erbprinz Carl Friedrich am 2. Februar 1783 läuten die Glocken in ganz Weimar, man lässt Salut schießen, die Bürger ziehen mit Musik durch die Straßen und bringen drei Abende lang ein Vivat vor dem Schloss. Johann Gottfried Herder tauft den Prinzen, der später Carl Augusts Nachfolger und Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach wird und die russische Großfürstin Maria Pawlowna heiratet.
Am 18. Juli 1786 kommt Prinzessin Caroline Louise zur Welt, deren besonders enges Verhältnis zu Goethe in dessen Gedicht „Trauerloge“ zum Ausdruck kommt, das er anlässlich ihres Todes 1816 verfasst.
Das letzte der Kinder, Prinz Carl Bernhard, wird schließlich am 30. Mai 1792 geboren. Er tritt zur Freude seines Vaters in den Militärdienst ein, kämpft in der Schlacht bei Waterloo und bringt es letztlich bis zum Kommandanten der Insel Java.
Die Verluste oder Totgeburten der anderen vier Kinder verstärken jedoch Louises resignative und depressive Stimmung und lassen sie noch distanzierter wirken.
 
Louises Gatte dagegen, ein Genussmensch und den Sinnesfreuden nicht abgeneigt, sucht sein Glück in wechselnden Liebesbeziehungen außerhalb seiner Ehe. Ab 1780 bis Ende der 1790er Jahre hat Carl August unter anderem Affären mit Gräfin Jeanette Louise von Werthern-Neunheiligen, mit der Engländerin Emilie Gore und der Schauspielerin Luise Ruddorf, die später Karl Ludwig von Knebel heiratet. Ende der 1790er Jahre schließlich geht der Herzog seine „Ehe linker Hand“ mit der Weimarer Schauspielerin und Sängerin Caroline Jagemann ein, aus der drei Kinder hervorgehen und die bis 1828 anhalten wird. Louise ignoriert – um nicht zu sagen: toleriert – das schnell öffentlich werdende Verhältnis, das 1809 mit der Erhebung Carolines in den Adelsstand als Freifrau von Heygendorf seinen Höhepunkt erfährt. Sogar am ersten Ball, den die neue Frau von Heygendorf in ihrem Haus gibt, nimmt die Herzogin teil.

Wahre Größe beweist Louise unbestritten bei ihrer Begegnung mit Napoleon Bonaparte, der nach den Schlachten von Jena und Auerstädt mit seinen Truppen in Weimar einzieht. Bei dieser Konfrontation, bei der es um den Erhalt von Herzogtum, Besitz und Dynastie geht, steht die Herzogin auf sich allein gestellt dem französischen Feldherrn gegenüber. Herzog Carl August als preußischer General versucht mit seinen Truppen dem französischen Heer zu entgehen und marschiert Richtung Stendal, Erbherzog Karl-Friedrich flüchtet sich nach St. Petersburg und die Herzoginwitwe Anna Amalia weilt in Kassel. Louise steht am 15. Oktober 1806 dem siegreichen Napoleon gegenüber, der Quartier im Schloss nimmt. Bei einer Audienz am nächsten Morgen wirft er der herzoglichen Familie feindliches Verhalten ihm gegenüber vor. Louise verteidigt ihren Mann und bringt den Feldherren durch ihr standhaftes und geradliniges Auftreten dazu, von der weiteren Plünderung der Stadt abzusehen. Ihr Handeln gegenüber Napoleon und der Dienst, den sie damit der Stadt und ihren Bürgern erwiesen hat, bringen ihr fortan größte Bewunderung und Respekt ein.

Auch Carl Augusts Verhältnis zu seiner Frau wird nach dieser Episode respektvoller, ihr gemeinsames Leben verläuft mit zunehmendem Alter vertrauter und freundschaftlicher. Am 14. Februar 1830, zwei Jahre nach dem Tod ihres Gemahls, stirbt Großherzogin Louise friedlich im Kreis ihrer Familie in Weimar. Am 18. Februar wird sie in der Fürstengruft an der Seite ihres Mannes beigesetzt, mit dem sie 53 gemeinsame Jahre verbracht hat.

Fotomaterial zu Großherzogin Louise halten wir auf der Seite svdmzweb01.klassik-stiftung.de/stiftung/presse/pressebilder.html für Sie bereit.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Internetauftritt der Klassik Stiftung Weimar verwendet Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden. Zur Datenschutzerklärung

Verstanden