Weimarer Klassik in der DDR

Direktion/ReferatForschung und Bildung
ProjektverantwortungProf. Lothar Ehrlich
Laufzeitvon 1997 bis 1999

„Wenn ihr wissen wollt, auf welchem Weg es vorwärts geht, so müsst ihr Goethes ‚Faust‘ und Marx ‚Kommunistisches Manifest‘ lesen.“ Diese programmatische Formulierung Walter Ulbrichts illustriert, wie die DDR-Führung in den fünfziger und sechziger Jahren das klassische deutsche Erbe kulturpolitisch einsetzte. Die Werke der Weimarer Klassik sollten das kulturstiftende Muster zur Erziehung eines ‚neuen‘ Menschen abgeben. Dieser überzogene bewusstseinsbildende Anspruch, der exemplarisch in der Arbeit der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten erkennbar wurde, war ein bemerkenswertes Experiment.

Ziel des Forschungsprojektes zur Weimarer Klassik in der DDR war es, zu analysieren, wie Staat und Gesellschaft der DDR mit dem durch den Nationalsozialismus und die Verbrechen von Buchenwald kompromittierten Gedächtnisort Weimar umgingen und ein spezifisches Weimarbild als Verkörperung eines ‚besseren Deutschland‘ für sich beanspruchten. In die Betrachtungen einbezogen wurden sowohl der Umgang mit der Klassik im Rahmen der Ost-West-Beziehungen, als auch die Versuche unterschiedlicher Gruppierungen, die Klassik zur Formulierung eines eigenen, nicht konformen Selbstbewusstseins zu nutzen.

Das Forschungsvorhaben knüpfte unmittelbar an die Untersuchungen zur völkischen und nationalsozialistischen Instrumentalisierung der Klassik von 1885 bis 1945 an, welche zugleich die Basis für einen analysierenden Vergleich darstellten. Die Ergebnisse des Projektes wurden in zwei Symposien öffentlich vorgestellt.

Zugehörige Publikationen

Lothar Ehrlich, Gunther Mai (Hrsg.): Weimarer Klassik in der Ära Ulbricht. Köln, Weimar, Wien 2000.
Lothar Ehrlich (Hrsg.): Weimarer Klassik in der Ära Honecker. Köln, Weimar, Wien 2001.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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