Zweites Kapitel - "Ordnung und Entwicklung"

Ist der erste Ausstellungsbereich den Anfängen der Geowissenschaften gewidmet, beschäftigt sich das zweite Kapitel mit den um 1800 diskutierten Fragen nach Konstanz und Wandel in der Natur und ihren Ordnungssystemen – kurz gesagt, den Ursprüngen der modernen Biowissenschaften. Eine zentrale Rolle spielt hierbei Carl von Linné und seine auf „Sexualorganen“ aufgebaute Pflanzensystematik. Dieser Ansatz war höchst pikant und beflügelte die Fantasie seiner Zeitgenossen ganz außerordentlich. Heinrich Meyer etwa, langjähriger Freund und Wegbegleiter Goethes, fertigte eine Zeichnung an, die die amourösen Geschehnisse in der Blüte recht explizit darstellt. Im Bewusstsein um die Künstlichkeit des linnéschen Systems gab es zahlreiche Versuche, dieses durch ein natürlicheres, auf Wesensmerkmale gestütztes, zu ersetzen.

Aber was sind wesentliche Merkmale? Wie entwickeln sie sich? Gibt es einen Urtypus? Einen universellen Bauplan? Wodurch zeichnen sich Leben, lebendige Materie, ein Organismus überhaupt aus? Auch Goethe beschäftigten diese grundlegenden Fragen nach Ursprung, Entwicklung und Ordnung des Lebens, zu denen er 1790 mit dem „Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären“ seine erste naturwissenschaftliche Publikation vorlegte. „Metamorphose“ ist hierbei jedoch eher im Sinne einer Entwicklung der Arten zu verstehen und sollte ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit den Werken Charles Darwins unter dem Begriff „Evolution“ Schule machen.

Diesen Kontinuitätslinien nachspürend, beleuchtet das zweite Ausstellungskapitel die sprunghafte Entfaltung der Biowissenschaften um 1800, die unter anderem an der Pflanzengeographie Alexander von Humboldts, der Zwischenkieferarbeit Goethes oder der „Schädellehre“ Franz Joseph Galls weiter exemplifiziert wird.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

Der Internetauftritt der Klassik Stiftung Weimar verwendet Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden. Zur Datenschutzerklärung

Verstanden