1. Eintritt frei
Vortrag

Sozialdemokrat. Buchenwaldhäftling. Provenienzforscher. Benedikt Kautsky und die Weimarer Bibliothek

Vortrag von Dr. Paul Kahl zum Internationalen Tag der Provenienzforschung mit einer Begrüßung durch den Bibliotheksdirektor Dr. Reinhard Laube und einer Einführung durch Rüdiger Haufe, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Provenienzforschung, und anschließender Präsentation der aufgefundenen Bücher.

In der Zeit der Weimarer Republik gab es in Thüringen ca. 250 Gewerkschaftsbüchereien und SPD-Bibliotheken. Sie wurden 1933 von den Nationalsozialisten zwangsaufgelöst. Der größere Teil der Bücher wurde vernichtet, ein kleinerer Teil an staatliche Bibliotheken verteilt. So gelangten solche Bände auch in die damalige Thüringische Landesbibliothek. Bereits 1945 hat Benedikt Kautsky, ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald, als kurzzeitiger Mitarbeiter der Landesbibliothek danach gesucht – eine frühe Form von „Provenienzforschung“. Seine Recherchen blieben jedoch folgenlos.

Die in den letzten Jahren in der heutigen Herzogin Anna Amalia Bibliothek kontinuierlich voranschreitende systematische Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenen Büchern lenkte die Aufmerksamkeit erneut auf den Vorgang. Bereits 2020 und 2021 konnten Bücher an die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung restituiert werden. Die Ermittlung und Auswertung verschollener Akten ermöglicht nun die Restitution von weiteren 193 Büchern. 

Dr. Paul Kahl, Literatur- und Kulturhistoriker, hat am Deutschen Seminar in Göttingen im Rahmen des DFG-geförderten Projektes Kulturgeschichte des Dichterhauses zahlreiche erinnerungskulturelle Studien veröffentlicht, darunter das Buch „Die Erfindung des Dichterhauses“ (Göttingen 2015). Seit 2021 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter (Sammlungshistoriker) der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Er arbeitet außerdem als freier Bildungsreferent für verschiedene Kultur- und Bildungseinrichtungen, darunter die Klassik Stiftung Weimar, das Freie Deutsche Hochstift in Frankfurt am Main sowie die Universität Göttingen, und er war mehrfach Gastdozent an italienischen Universitäten.
Zuletzt erschienen: „Die Weimarer Museen. Ein erinnerungskulturelles Handbuch“ (Dresden 2022)
 

Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Platz der Demokratie 4
99423 Weimar
Deutschland

Bücherkubus

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Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.