Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

In seinem Vortrag schildert Ulrich Feldhahn die ungewöhnliche Karriere des François Haby (1861-1938), der als Hoffriseur Wilhelms II. dessen markante Barttracht erfand.
Das Museum Neues Weimar zeigt seinen von van de Velde gestalteten Salon, der bereits um 1900 als eine Sehenswürdigkeit galt.
Der aus Danzig stammende Haby war eine der prominentesten Unternehmerpersönlichkeiten im wilhelminischen Berlin und galt als schillernde Figur am Kaiserhof. Seine 1894 erlangte Stellung als Hoffriseur wusste er durch erstaunlich moderne Werbestrategien geschickt zu vermarkten, sodass er vielfach Zielscheibe von Neidern und Spöttern wurde. Auch die Satirezeitschriften persiflierten ihn und die seinerzeit weit verbreitete Bartmode regelmäßig. Sein im avantgardistischen Jugendstil gestalteter Friseursalon zeugt bis heute mit der raffinierten Kombination von Eleganz und Zweckmäßigkeit von Habys Geschmack und Geschäftssinn. Durch seinen regelmäßigen Umgang mit dem Monarchen, den er häufig auf Reisen begleitete, erhielt Haby Einblicke weit über die Haar- und Bartpflege hinaus. Völlig unbekannt blieb jedoch, dass seine Karriere abrupt abbrach: Ein bislang unveröffentlichter Aktenfund belegt, dass er im Spätsommer 1918 auf einer Zugfahrt aus dem Hauptquartier des Kaisers brisante Indiskretionen ausplauderte, die zu seiner Vernehmung und Entlassung führten. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit, den originalen Frisierplatz im Museum zu besichtigen.
Ulrich Feldhahn, geb. 1965 in Balingen (Zollernalbkreis), hat Kunstgeschichte, Volkskunde und Denkmalpflege in Bamberg und Salzburg studiert. Als freischaffender Kunsthistoriker in Berlin und wissenschaftlicher Mitarbeiter von Schloss Wernigerode hat er zahlreiche Ausstellungen kuratiert und zur Kunst und Geschichte des späten 18. bis frühen 20. Jahrhunderts publiziert.
Eine Veranstaltung der Weimarer Kunstgesellschaft in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar.
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