Das Wielandgut in Oßmannstedt

Geschichte

„Landluft, unverkünstelte Natur, viel Gras und schöne Bäume, äussere Ruhe und freye Disposizion über mich selbst und meine Zeit […] in Meinem Haus zu Oßmannstätt befinde ich mich ununterbrochen wohl und munter“

Wieland 1797 an seinen Verleger Georg Joachim Göschen

Das Gut Oßmannstedt ist eng mit dem Namen Christoph Martin Wieland (1733-1813) verbunden, der hier von 1797 bis 1803 lebte und seinem Wunsch entsprechend auch begraben wurde. Er zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellern des 18. Jahrhunderts und erwarb sich als Verserzähler, Übersetzer, Herausgeber und Journalist bleibende Verdienste. In Oßmannstedt übersetzte er antike Schriften, verfasste Novellen und Romane, gab Zeitschriften heraus und empfing zahlreiche Gäste. Zu seinen Besuchern gehörten Goethe, das Ehepaar Herder, Herzogin Anna Amalia, seine Jugendliebe Sophie von La Roche, Sophie und Clemens Brentano, Jean Paul und Heinrich von Kleist. Von Wieland begleitet, verfassten sie hier eigene Werke.

Errichtet wurde das zweistöckige barocke Gutshaus ab 1757 von dem Weimarer Minister Reichsgraf Heinrich von Bünau. Zwischen 1762 und 1775 nutzten Herzogin Anna Amalia und ihre Söhne das Anwesen als Sommersitz. Nachdem die herzogliche Familie das Interesse an Oßmannstedt verloren hatte, übernahm ein Pächter 1777 das Gut.

1797 erwarb Wieland das Gebäudeensemble mit Gutspark und verbrachte dort mit seiner Familie für sechs Jahre ein heiteres Landleben. Nach dem Tod seiner Gemahlin Anna Dorothea zog er 1803 zurück nach Weimar. 1813 wurde er im Oßmannstedter Gutspark an der Seite seiner Frau beigesetzt.

Von 1859 bis 1896 war das Anwesen im Besitz der Familie des Kammerrats John Grant of Glen Morrison. Zu den zahlreichen Gästen gehörten Großherzog Carl Alexander, Walther von Goethe, Franz Liszt sowie die Nachfahren Herders und Wielands.

Das Gut wurde durch die Bodenreform Ende der 1940er Jahre geteilt, die Wirtschaftsgebäude und die Umfassungsmauer abgerissen und das Haus zur Schule umgebaut. 1953 ging das Anwesen in den Besitz der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar, einer Vorgängerinstitution der Klassik Stiftung Weimar, über. Grundlegende und umfangreiche Restaurierungsarbeiten erfolgten in den Jahren von 1968 bis 1974 und von 2003 bis 2005.

Vorhaben der Klassik Stiftung Weimar werden gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Freistaat Thüringen, vertreten durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst.

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